Sayaka Murata

Schwindende Welt

Roman
Cover: Schwindende Welt
Aufbau Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783351042448
Gebunden, 267 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Amane stellt mit Entsetzen fest, dass ihre Eltern "kopuliert" haben, um sie zu zeugen, anstatt wie alle anderen die Vorteile künstlicher Befruchtung zu nutzen. Auch wenn ihre Mutter an der alten Welt festhält und das Konzept Liebe verzweifelt verteidigt, will Amane dazugehören in einer Gesellschaft, in der Sex und Romantik fast ganz verschwunden sind. Mit ihrem Mann Saku zieht Amane in die experimentelle Stadt in Chiba, wo auch Männer Kinder in künstlichen Gebärmüttern austragen und sich alle Menschen gleichermaßen um alle Kinder kümmern. Ist das die schöne neue Welt, nach der Amane sich gesehnt hat?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2026

Mit ihren Romanen "Die Ladenhüterin" und "Das Seidenraupenzimmer" wurde Sayaka Murata international berühmt. Rezensentin Johanna Treblin liest mit "Schwindende Welt" nun einen älteren Roman der Autorin  -  mit Gewinn! Obwohl sie darin einiges zu bemängeln findet. Auch hier schon setzt sich die Japanerin mit gesellschaftlichen Konventionen auseinander, insbesondere der Ehe und der Rolle der Frau als Ehepartnerin und Mutter. Im Vergleich zu ihren späteren Texten, werden diese Themen hier jedoch sehr viel weniger subtil verhandelt, stellt Treblin fest. Dass Muratas Stil die Kälte der Welt spiegelt, von der sie erzählt, findet die Rezensentin geschickt und nachvollziehbar. Wenn Murata allerdings in einigen Passagen allzu sehr auserklärt, möchte ihr die Kritikerin dick "show, don't tell" an den Rand schreiben. Dass Murata hier auf mutige Weise Normen und Tabus infrage stellt und dazu anregt, Sexualität und zwischenmenschliche Nähe neu zu denken, macht diesen Roman dennoch zu einem lesenwerten Text, so die Rezensentin. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025

Rezensentin Susan Vahabzadeh erkennt ein neues Thema in der aktuellen Buchsaison: Ungewollte Kinderlosigkeit scheint ungewollte Schwangerschaft in der Literatur abzulösen. So scheint es der Kritikerin zumindest nach der Lektüre neuer Romane von Verena Teke, Verena Güntner und Sayaka Murata: Lesenswert findet sie alle drei. Dabei besticht Sayaka Muratas neuer Roman "Schwindende Welt" vor allem dadurch, dass die japanische Autorin mit Mitteln der Science-Fiction ein "Paralleluniversum" schafft, dass zeitlich nicht einzuordnen und unserer Gegenwart nicht mal so fremd ist: Kinder werden nur noch durch künstliche Befruchtung gezeugt, Liebesbeziehungen geht man mit Trickfilmfiguren ein, die Familienbeziehungen wurden aufgehoben - alles ist auf Bequemlichkeit und die Abwesenheit jedweder Verletzung ausgerichtet, resümiert die Kritikerin. Wie Murata hier Bedürfnisse der modernen Gesellschaft auf die Spitze treibt, findet Vahabzadeh virtuos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.08.2025

Rezensentin Anna Vollmer rät, die Romane der Japanerin Sayaka Murata bloß nicht zu unterschätzen, auch wenn der eingängige Duktus dazu verführen mag: Der neueste Roman lässt die Leserinnen vor allem über Normen und (Körper-)Grenzen sinnieren. In der dystopischen japanischen Modellstadt "Experimenta" gibt es keine Familien mehr, alle leben alleine, Kinder werden nicht mehr durch Sex gezeugt, die Gesellschaft muss sich um sie kümmern, vor der für uns "normalen" Lebensweise haben sie Ekel, schildert Vollmer. Die Beschreibungen sind klar, manchmal fast überdeutlich, so die Kritikerin, so liest sie aber auch eine Kritik unserer heutigen Gesellschaft und beginnt, das konventionelle Leben und unsere Normen zu hinterfragen, wie sie schließt.

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