Viel ist nicht geblieben. Die zehnjährige Kully lebt ein Leben im Balancierschritt zwischen den Ländergrenzen. Der Schriftsteller-Vater ist notorisch abwesend und notorischer in Geldnot, die Mutter bemüht sich unglücklich darum, die Welt für Kully zusammenzuhalten. In diesem Exilroman von 1938 erzählt eine früh Erwachsene von einem Leben in Hotelzimmern, von offenen Rechnungen und spontanen Begegnungen mit Tiefe. In einem kindlichen Erzählton eröffnet Kully Einblicke in ihr rastloses Leben und damit auch in die Situationen der Emigrant:innen in Europa.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.11.2023
Einen "tragikomischen Exilroman aus Kinderperspektive" hat Kritikerin Katharina Teutsch mit dieser Wiederauflage von Irmgard Keun vor sich: Kully, die zehnjährige Protagonistin, muss mit ihrer Mutter und dem zunehmend mittellos werdenden Schriftsteller-Vater aus Nazi-Deutschland fliehen, über Belgien, die Niederlande, Frankreich und Italien geht es letztlich nach New York. Dauernd ist die Suche des Vaters nach einem Geldgeber Thema, die Armut der Familie soll natürlich nicht bekannt werden - wenn die Hotelrechnungen nicht bezahlt werden können, werden Mutter und Tochter als Pfand dagelassen, mit einem "höheren Versatzwert" als Luxusgüter, erfährt Teutsch von der kecken Protagonistin. Sie macht die erschreckenden Bedingungen des Exils zum Schelmenspiel, auf das sich die Rezensentin gerne einlässt - das ist klug, heiter und regt zum Nachdenken an, schließt sie.
Einen "tragikomischen Exilroman aus Kinderperspektive" nennt Rezensentin Katharina Teutsch Irmgard Keuns 1938 verfassten Exilroman "Kind aller Länder". In heiterem Ton, voll Komik und entzückend kindlicher Klugheit lässt Keun ihre überaus charmante zehnjährige Ich-Erzählerin die Tragödie einer Familie auf der Flucht erzählen - der Vater: ein ehemals gefeierter, nun verarmter Schriftsteller, der seine Verleger um Geld anbetteln muss, die Mutter eine Melancholikerin, die ihre Schiffspassage in die USA verschläft, und die Tochter schließlich, die ohne Heimat, ohne Geld, ohne Freunde und ohne eine Sprache aufwächst, an die sie sich gewöhnen könnte. Es ist diese ungewohnte Perspektive, welche die Tragödie zur Tragikomödie und dieses Buch zu einer wirklich erfrischenden, bereichernden und bewegenden Lektüre macht, so die hingerissene Rezensentin.
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