Amélie Thyssen, die reichste Frau in Westdeutschland, stiftete 1960 überraschend die Hälfte ihres industriellen Vermögens: Mit ihrer Tochter Anita errichtete sie die erste große private Stiftung zur Wissenschaftsförderung in der Bundesrepublik.
Dieses Buch erschließt die familien- und unternehmensgeschichtlichen Zusammenhänge sowie die Medienresonanz dieser ungewöhnlichen Transaktion. Neben den Erbinnen Fritz Thyssens tritt der Kreis ihrer Vermögensverwalter und Berater hervor, deren exzellente Verbindungen bis ins Bundeskanzleramt reichten. Erstmals werden die Protokolle dieses "Thyssen-Komitees" ausgewertet, die neues Licht auf interne Spannungen bei der Bildung des Thyssen-Konzerns werfen. Die Stiftung engagierte sich in den Geistes- und Sozialwissenschaften und in der medizinischen Forschung. Mit Blick auf die Förderinitiativen und die gelehrten Köpfe im Wissenschaftlichen Beirat leistet die Studie einen Beitrag zur intellectual history der Bonner Republik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2018
Der hier rezensierende Historiker Tim Schanetzky liest die Studie von Hans Günter Hockerts mit Interesse und Gewinn. "Anschaulich" und auf Grundlage akribischer Quellenrecherche kann ihm der Historiker nicht nur darlegen, wie sehr Amelie Thyssen unter der Bekanntheit von Fritz Thyssens Buch "I paid Hitler" litt, sondern auch die Hintergründe der Stiftungsgründung verdeutlichen. Darüber hinaus erfährt der Rezensent hier Wissenswertes zur Politik, Taktik und der liberal-konservativen Prägung der Stiftung durch Wissenschaftler wie den Philosophen Joachim Ritter und dessen Schüler Hermann Lübbe.
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