Mehr als fünf Jahre recherchierte Hans-Joachim Lang das Schicksal der im Auftrag der SS-Wissenschaftsorganisation "Ahnenerbe" ausgewählten und im KZ Natzweiler (Elsass) getöteten Juden. Die Skelette der Opfer sollten im Anatomischen Institut der "Reichsuniversität Straßburg" ausgestellt werden und in künftigen "judenfreien" Zeiten Forschungszwecken dienen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2004
Erschüttert zeigt sich Rezensent Christoph Studt von Hans-Joachim Langs Buch "Die Namen der Nummern", das die Schicksale von 86 "Ahnenerbe"-Opfern rekonstruiert. Wie Studt berichtet, handelte es sich bei den Opfern um Juden des KZ Auschwitz, die auf Anordnung des an der Straßburger Universität lehrenden Anatom August Hirt mit Billigung Himmlers vergast, konserviert und in Hirts anatomischem Museum ausgestellt wurden. Aufgrund des weiteren Kriegsverlaufs sollte die Sammlung beseitigt werden, was aber nicht mehr gelang, und so konnten am 23. Oktober 1945 die Überreste von 86 Leichen bestattet werden, hält Studt fest. Wer diese Männer und Frauen gewesen sind, habe man bislang nicht gewusst. Mittels akribischer Recherchen, deren Ausgangspunkt eine Liste der eintätowierten KZ-Nummern war, sei es Lang gelungen, den Toten ihren Namen und ihre Identität wiederzugeben und sie als Menschen in ihre Lebenszusammenhänge zurückzuführen. Das Resümee des Rezensenten: "Es ist ein Puzzle des Grauens, das er zusammengesetzt hat, denn die Schicksale dieser 86 "Ahnenerbe"-Opfer spiegeln die europäische Dimension der Verfolgung und Ermordung der Juden."
Rezensent Bernd C. Hesslein ist froh, dass sich Hans-Joachim Lang erfolgreich durch europäische und amerikanische Archive gegraben hat. Herausgekommen ist ein Buch über 86 Häftlinge, die 1943 von der SS ausgewählt und im elsässischen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof ermordet wurden, um ihre Skelette zum "Rassenstudium" ausstellen zu können. Respektvoll zeigt sich der Rezensent angesichts der Beharrlichkeit des Journalisten und Zeitgeschichtlers Lang. Mehrere Jahre habe er geforscht, Quellen gesucht, Listen verglichen, bis er schließlich ein "grausiges Puzzle" vollenden konnte und den Nummern der Ermordeten Namen und Gesichter verlieh. Entstanden ist ein Buch, das über diese Akribie hinaus einen "tiefenscharfen Einblick" in die Abartigkeit der SS-Mediziner liefere.
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