Dokumentarfilme aus Ländern des "Realen Sozialismus" wurden im "Westen" wohl auch deshalb so wenig beachtet, weil man sie von vornherein für Auftragsfilme offiziöser Wirklichkeitssicht und Propaganda hielt. Doch neben den angepassten "Wegen zur Lüge" sind hier auch zahlreiche, mit List und Erfindungsreichtum eingeschlagene "Wege zur Wahrheit" zu entdecken. Mit ästhetischem Eigensinn und gesellschaftspolitischem Widerspruchsgeist verstanden es polnische, ungarische, jugoslawische, tschechische und slowakische, aber auch bulgarische und sowjetische Dokumentaristen immer wieder, sich dem verordneten Auftrag zu entziehen und das offiziell vorgegebene Modell "umzufunktionieren".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2000
Eines der typischen Missverständnisse zwischen westeuropäischen Filmkritikern und osteuropäischen Filmemachern drehe sich, schreibt Hans-Jörg Rother, um den Begriff "subversiv". Er erinnert sich, wie bei einem Symposium in Stuttgart vor vier Jahren Aleksandr Sokurov die Anwesenden mit der Behauptung brüskierte, weder habe er je vom kommunistischen Regime Steine in den Weg gelegt bekommen, noch habe er so etwas wie Dokumentarfilme gedreht. Nachzulesen sind diese Äußerungen in einem Sammelband, der die Referate und Diskussionsbeiträge jener Tagung in überarbeiteter Form festhält. Rother referiert verschiedene Er- und Bekundungen osteuropäischer Filmemacher und -historiker zum "Tabuthema" Wirklichkeit, dem viele Filmemacher auf eher lyrische Weise ausgewichen sind. Ihnen kam es auf eine andere Realitätsbeschreibung, ein anderes Menschenbild an. Rother kommt dann auf die Einführung des Veranstalters Hans-Joachim Schlegel zu sprechen, der die eher "einschränkende Sichtweise" der sowjetischen Avantgarde übernommen habe: der Dokumentarfilm als Motor gesellschaftlicher Bewegung. Eine Sichtweise, der die Tagungsteilnehmer laut Rother auf höchst lebendige und vielfältige Weise widersprochen haben.
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