1964 kommt es in der Berliner Wohnung von Günter Grass zu einem bemerkenswerten Treffen: Auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt diskutieren Politiker, darunter Brandt selbst, Herbert Wehner und Fritz Erler, mit Schriftstellern und Intellektuellen, darunter Hans Mayer, Uwe Johnson, Ingeborg Bachmann und Walter Jens, über das Ende der Ära Adenauer. Daran und an vieles mehr erinnert sich Hans Mayer in diesem Buch. Wer war Willy Brandt wirklich? Wer waren seine Wegbegleiter, wer ? neben Herbert Wehner ? seine großen Gegner, und was veranlaßte ihn 1974 anläßlich der im Grunde harmlosen Affäre um Günter Guillaume auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere zum Rücktritt? Beginnend mit Brandts Kindheit, zeichnet Hans Mayer den Lebensweg Brandts über das Exil in Norwegen bis hin zur beispiellosen Karriere eines Politikers nach, dessen grundlegendes Ziel die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2001
Noch einmal, zum letzten Mal, denn vor wenigen Wochen verstarb der große Tübinger Literaturhistoriker Hans Mayer, hat sich der hochbetagte Wissenschaftler seines Lebensthemas angenommen, berichtet Kurt Oesterle. Aber, denkt der Rezensent, etwas verstörend wirkt es schon, Willy Brandt und Mayers Außenseiter-Forschung zusammenzubringen. Und doch, nach der Lektüre des Bandes ist es dem Rezensenten deutlich geworden: Den Sozialdemokraten war Brandt zu sozialistisch, den Kommunisten zu demokratisch, den Arbeitern zu bürgerlich, den Bürgerlichen zu links, referiert Oesterle. Erstaunlich, aber auch anerkennend findet er Mayers These, Willy Brandt als wesentliche Figur im Prozess der Wiedervereinigung zu sehen. Denn hätte er nicht - vor allem mit dem berühmten Kniefall in Warschau - zu einer Verbesserung des Deutschlandbildes beigetragen, hätte die Sowjetunion dem Ende der DDR niemals zugestimmt. Mayers Reflexionen über die wenigen, aber wohl intensiven Begegnungen mit Brandt haben Oesterle offensichtlich sehr berührt, und sei es, weil er Mayer jetzt besser verstehen könne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2001
Der Rezensent rab. erkennt in dem Buch ein "sehr persönliches" Zeugnis des Literaturwissenschaftlers Hans Mayer. Und auch wenn rab. in seiner Kurzkritik feststellt, dass Mayer nicht mehr alle "historischen Fakten präsent" hat und Einzelheiten durcheinander bringt, scheint er diese Erinnerung an das politische Klima in der Bundesrepublik, in dem Willy Brandt vorgeworfen wurde, er sei ohne echte Not ins Exil gegangen, mit Interesse gelesen zu haben.
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