Hans Pleschinski

Zerstreuung

Spanische Novelle
Cover: Zerstreuung
Edition Epoca, Zürich 2000
ISBN 9783905513226
Gebunden, 126 Seiten, 16,87 EUR

Klappentext

Bisher unveröffentlicht: Das erste erzählerische Werk von Hans Pleschinski, entstanden in den siebziger Jahren und im Jahr 2000 aufgetaucht. «Zerstreuung» ist ein rasanter, ironischer und anspielungsreicher Text über die Suche nach dem wahren Ich, dem wie im sogenannten richtigen Leben das Über-Ich und noch eine Menge mehr im Wege stehen. Ein Filmer aus Bremen verstrickt sich in seinen Bekanntschaften und beschließt spontan, als er vom Tode Francos erfährt, nach Spanien zu reisen, um alles Ungemach hinter sich zu lassen. In Madrid gibt es für seinen Geschmack jedoch zu viele Leute mit ihren Geschichten auf den Straßen, und im Hotelzimmer ist es ihm zu langweilig, also sollen Toledo und El Greco ihn zerstreuen. Die spanische Inquisitionsstadt bietet jedoch nicht das, was er erwartet hat. Hoffnung auf Ruhe und Ablenkung keimt in ihm auf, als er sich durchringt, Spanien zu verlassen und nach Paris zu einem Freundespaar zu reisen. Aber auch in Paris werden seine Erwartungen durchkreuzt, alles ist immer anders, als er es sich ausgemalt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.11.2000

Uwe Pralle findet diese Novelle, die bereits vor über zwanzig Jahren entstanden ist, vor allem aus heutiger, also rückblickender, Sicht interessant. Sie spielt in einer Übergangszeit, in der sich der Protagonist von den Dogmen und radikalen Denkweisen der Achtundsechziger löst und sich mehr den sinnlichen und privaten Alltagserfahrungen zuwendet. Die Tatsache, dass die Novelle erst jetzt veröffentlicht wurde, liegt nach Pralles Vermutung möglicherweise darin, dass Pleschinski mit diesem Gestus "um einige Jahre zu früh" kam, aber gerade das Vorwegnehmen dieser sich verändernden Geisteshaltung scheint dem Rezensenten zu gefallen. Auch die Sprache Pleschinskis mache die Veränderungen deutlich: Weg von den "aggressiven Polit-Parolen", und hin zu einer persönlicheren, ja Gefühle zulassenden Ausdrucksweise. Zwar könne man an mancher Stelle durchaus spüren, wie jung Pleschinski beim Verfassen der Novelle war, so etwa bei der gelegentlich aufblitzenden "Lust an spöttischen Ausfällen gegen den Zeitgeist". Insgesamt überwiegt jedoch das Lob, gerade weil es dem Autor gelungen sei, die Gefühlswelt dieser Generation des Übergangs überzeugend darzustellen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2000

Manfred Papst würdigt das Buch, den erst jetzt veröffentlichten Erstling des Autors von 1978, als interessantes literarisches Dokument. Interessant deshalb, weil der Autor, der nicht viel später eine Persiflage auf die Literatur der Innerlichkeit geschrieben hat, hier selbst als Vertreter der `Neuen Innerlichkeit` in Erscheinung tritt. Der Rezensent fragt sich, warum das Buch gerade jetzt veröffentlicht wird und wie stark es `nachredigiert` wurde und stellt fest, dass der Reiz der Novelle gerade in ihrer Verhaftung mit dem Zeitgeist entsteht, der wenig später `in der deutschen Literatur epidemisch` auftritt. Er lobt die `lockere Prosa` und den `süffigen` Ton des Textes, findet ihn mitunter aber auch `altklug` und streckenweise `unausgegoren`. Insgesamt schätzt er das Buch aber als ein Stück `Entwicklungsgeschichte` der Literatur, die das Lebensgefühl dieser Zeit auf `faszinierende Weise` konserviert, auch wenn es sicher nicht als Hauptwerk seines Autors anzusehen ist.
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