Hari Kunzru

Revolution

Roman
Cover: Revolution
Karl Blessing Verlag, München 2008
ISBN 9783896673848
Gebunden, 416 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Wolfgang Müller. In der flirrenden Mittagshitze eines kleinen Dorfes in Südfrankreich wird Michael Frame von seiner Vergangenheit eingeholt: In einer Passantin glaubt er Anna wiederzuerkennen, seine Geliebte und Genossin aus der Londoner militanten Szene der 1960er und 1970er Jahre - vermeintlich ums Leben gekommen bei einem Terroranschlag vor über zwanzig Jahren. Als Michael wieder zurück in England ist, taucht auch noch Miles auf, der Fotograf und Dokumentarfilmer aus den Zeiten der Hausbesetzungen im Londoner East End und der Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg. Er drängt sich in Michaels Leben und bedroht mit seinen Anspielungen auf Michaels politische Zeit dessen heile Welt. Michael hofft aber, von Miles etwas über Anna zu erfahren. Doch der arbeitet mittlerweile für die Regierung und hat andere Pläne - er erpresst Michael mit seiner radikalen Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2009

Begeisterung ist was anderes, aber lesenswert findet Christoph Bartmann diesen Roman schon. Interessant natürlich gerade der Geschichte wegen, die er erzählt. Sie dreht sich um Mike Frame, der in den siebziger Jahren unter seinem richtigen Namen Chris Carver als Terrorist Mitglied der britischen "Angry Brigade" war, die sich durch Gewalt gegen Sachen, nicht aber Menschen hervortat. Und nun, das Jahrtausend geht zu Ende und Carver hat sich erfolgreiche Existenz aufgebaut, kommt alles raus. Die Ehe gerät in die Krise und anderes auch. Der Rezensent findet schon, dass der Autor Hari Kunzru was kann - klug eingefädelt ist das ganze und souverän erzählt. Was Bartmann aber vermisst, ist eine eigene Handschrift und vielleicht, überlegt er, signalisiert die junge Garde erfolgreicher Autoren, zu der Kunzru gehört, so etwas wie das Ende der "Autorenliteratur" (in Parallele zum "Autorenfilm" im Kino).

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2009

Zurückhaltend äußert sich Rezensent Tobias Döring über Hari Kunzrus neuen Roman "Revolution?. Zwar scheint ihm die Grundidee des Buchs - ein bürgerlich gewordener Mann wird in den späten neunziger Jahren von seiner radikalen Vergangenheit in den anarchischen Siebzigern eingeholt - reizvoll. Aber zum einen findet er die Kontrastierung der damaligen hitzigen Polit-Atmosphäre und der heutigen kalten Konsumgesellschaft etwas zu kalkuliert. Zum anderen mutet ihn die politische Großerzählung über weite Strecken zu dominant an. Auf ihn wirken die Romanfiguren wie "Garderobenständer?, "an denen eine revolutionäre Gesinnung aufgehängt werden muss?.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2008

Von Hari Kunzrus Roman "Revolution", in dem die radikale 68er-Vergangenheit in die bürgerliche Existenz von Michael Frame, alias Chris Carver, einbricht, hat sich Rezensentin Irene Binal in den Bann ziehen lassen. Michael wird mit seiner Vergangenheit als Mitglied einer linksradikalen terroristische Gruppe erpresst, was ihn zur Erinnerung und Auseinandersetzung mit seinen politischen wie persönlichen Entscheidungen zwingt, erklärt die Rezensentin. Dieser Konflikt macht für Binal auch den Reiz dieses Romans aus, der seine Figuren nicht vorführe, aber sie dennoch nicht unbedingt "sympathisch" zeichne. Dem Autor geht es, wie der Originaltitel "My Revolution" anzeigt, nicht um die 68-Revolution im Ganzen, sondern um ihren Einfluss auf das individuelle Leben, so die Rezensentin. Der Grundton der Desillusionierung wird bei Kunzru aber immer wieder durch Humor und Ironie gemildert, wie Binal erleichtert feststellt, die hier eindringlich die Frage nach dem "Sinn" der revolutionären wie der bürgerlichen Existenz gestellt sieht. Dass der Autor diese offen lässt, könnte man, da bleibt die Rezensentin unschlüssig, als "Schwäche" oder als "Stärke" des Romans sehen.

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