Mitte der 50er Jahre, Frankfurt am Main. Bosskopp ist ein vom Schicksal Gebeutelter, der so ziemlich alle Attribute des Außenseiters in sich vereinigt: Er ist fett, er pinkelt ins Bett, er wird von einem tyrannischen Stiefvater drangsaliert ... Das Leben meint es nicht gut mit ihm. Bosskopp ist aber auch ein begabter Junge, er hat eine blühende Phantasie und kann sehr genau beobachten. Ja, er saugt sich mit den Augen in das Leben der anderen hinein ... Doch die Welt um ihn herum verändert sich, die 60er Jahre. Bosskopp legt sich das von den Stones inspirierte "Kotz-Motz-Appeal" zu, arbeitet hart an seiner Frisur, studiert Kunst und guckt sich die Studentenrevolten an. Mit den Frauen tut er sich eher schwer ... bis er Lisa trifft. Soll das etwa noch ein Happy End werden?
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 27.11.2003
Die Geschichte eines Außenseiters im Frankfurt der sechziger Jahre erzählt Wolfgang Rudelius in seinem Jugendroman, erklärt Rezensent Ralf Schweikart. Bosskopp wird als Kind vom Stiefvater geprügelt, ist "dick, hässlich und obendrein Bettnässer". Erst in der Lehre beginnt seine Freiheit. Er nimmt ab und lernt ein Mädchen kennen. So richtig begeistert ist unser Rezensent nicht von dem Buch. Rudelius beschreibe seinen Helden als "beinahe autistischen Einzelgänger", ein solcher sei aber ein schlechter Chronist. Die Beobachtungen in Frankfurt "bleiben oberflächlich", die Sprache unoriginell. Was bleibt, so Schweikart, sind die "intensiv geschilderten Versuche Bosskopps ... mit seinen angestauten Aggressionen umzugehen", und die Hoffnung, dass diese durch die "große Liebe" überwunden werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2003
Die desolate gesellschaftliche Situation der deutschen Nachkriegszeit spiegelt sich in der familiären Situation, in die Wolfgang Rudelius seinen Protagonisten Wilhelm hineinverpflanzt, erklärt die Rezensentin Christina Thurner. Der ist dick und hat viel zu leiden, was durch seine besonders "feine Wahrnehmung" nicht gerade leichter zu ertragen wird. Der Stiefvater ist bösartig und misshandelt den Jungen, während seine Mutter vor allem damit beschäftigt ist, ihre Karriere aus der Nazizeit herüberzuretten. Der Junge flüchtet sich in Folge dessen in Träume und gelegentlich auch in Mordfantasien. Dieser Situation setzt der Autor einen "kühl bis lakonischen Ton" entgegen, der nach Thurners Eindruck "drastisch und dennoch immer glaubhaft wirkt" und trotzdem gelegentliche Hoffnungsschimmer erlaubt.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…