Mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg. Aus dem Amerikanischen von Claire Malignon. 1960 in den USA publiziert, wurde "Wer die Nachtigall stört..." schnell ein Welterfolg und eroberte die Herzen von Generationen von Lesern im Sturm. Er liegt nun in einer vollständig von Nikolaus Stingl überarbeiteten und mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg versehenen Übersetzung vor. Harper Lee beschwört darin den Zauber und die versponnene Poesie einer Kindheit tief im Süden der Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Geschwister Scout und Jem Finch wachsen in einer äußerlich idyllischen Welt heran, erzogen von ihrem Vater Atticus, einem menschenfreundlichen Anwalt. Doch durch die alte Gesellschaft des Südens ziehen sich tiefe Risse: zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arm und Reich. Als Scouts Vater, der Anwalt, die Verteidigung eines schwarzen Landarbeiters übernimmt, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat, erfährt die Achtjährige staunend, dass die Welt viel komplizierter ist, als sie angenommen hat. Tapfer versucht sie, die demokratischen Gerechtigkeitsideale ihres Vaters gegen alle Anfechtungen hochzuhalten, und gerät selbst in Gefahr ...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2015
Um sich auf das neu veröffentlichte und aufsehenerregende frühe Manuskript von Harper Lees "Wer die Nachtigall stört" (im Original "To Kill a Mockingbird") einzustimmen, hat Angela Schader noch einmal den bekannten Roman hervorgeholt und ja, der funktioniert noch immer, stellt die Rezensentin fest. Erzählt wird die Geschichte von der aufgeweckten Siebenjährigen Jean Louise Finch - oder: Scout - deren Vater Atticus einen fälschlich der Vergewaltigung angeklagten Schwarzen vor Gericht verteidigt - in den Südstaaten der dreißiger Jahre, in denen der Roman spielt, keine Kleinigkeit, weiß Schader. Es gibt zahlreiche Gründe, die dieses Buch zum Klassiker gemacht haben könnten, so die Rezensentin, aus heutiger Perspektive wirke Atticus Finch allerdings eine Spur zu sehr moralisch einwandfrei. Scout ist es, die anhaltend beeindruckt, findet Schader.
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