Harry Martinson

Aniara

Cover: Aniara
Guggolz Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783945370513
Gebunden, 180 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Lena Mareen Bruns. Mit einem Nachwort von Alex Schulman. In "Aniara", seinem legendären Weltraumepos in 103 Gesängen, begleitet Harry Martinson eine Gruppe von Menschen, die sich ihrem eigenen und dem Ende der Welt stellen müssen. Mit dem Raumschiff "Aniara" waren sie auf dem Weg zum Mars, wohin sie von der durch Atomkrieg und Ausbeutung unbewohnbar gewordenen Erde evakuiert werden sollten. Doch die "Aniara" ist außer Kontrolle geraten und taumelt nun mitsamt ihren Insassen durchs All. Ohne Ziel, ohne Aussicht auf Rettung. Und menschliches Leben wird nur noch möglich sein, solange die Sauerstoffreserven ausreichen. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2025

Rezensentin Meike Feßmann liest Harry Martinsons "Aniara" rund 70 Jahre nach dessen Erscheinen und stellt fest: Als "philosophische Versuchsanordnung" kann das Versepos über ein Raumschiff voller Erd-Exilanten, das auf dem Weg zum Mars vom Weg abkommt, immer noch Aufschluss geben: über die menschliche Sehnsucht nach dem Tod, über die Notwendigkeit von Gemeinschaft und Hoffnung. Das Bild der absoluten Einsamkeit, das der schwedische Autor hier entwirft, wirkt immer noch, auch auf uns Gegenwärtige, wobei das Gefühl der Verlassenheit, das dieses Bild erzeugt, für Feßmann wie "umwölkt" ist von Geistern "biederer Bilder" der 50er Jahre. Auch in technologischer Hinsicht kann der Text nicht mithalten mit modernerer philosophischer Science Fiction, und sprachlich fällt er hinter andere Langgedichte wie etwa T.S. Eliots "The Waste Land" zurück. Lesenswert ist "Aniara" dennoch: Gerade in der Diskrepanz dessen, was damals und was heute vorstellbar ist, liegt die analytische Stärke des Romans, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2025

Rezensent Tobias Lehmkuhl staunt über den Klassiker-Status, den Harry Martinsons Weltraum-Epos in Schweden schon genieße - denn er kann mit diesem nun neu übersetzten Buch gar nichts anfangen. Es geht, in einem schon "mühsam" zusammenzureimenden Plot, ächzt Lehmkuhl, um ein vom Weg abgekommenes Raumschiff, dass nun, ursprünglich auf Erd-Evakuierungsmission Richtung Mars, ziellos durchs Weltall treibt. Dass die Besatzung sich in ihrer Verzweiflung eine KI als neue Gottheit nimmt, könnte ja sehr aktuell sein, aber so wirkt es leider gar nicht, vor allem wegen der Sprache, meint Lehmkuhl: ziemlich ungelenk findet er die Verse, mit zum Teil "hanebüchenen" Reimen, unfreiwilliger Komik und "künstlich verrätselten" Ausdrücken: der "Rindel-Groschen tönt mit seinen Gondi", da versteht der Kritiker nur Bahnhof. Vielleicht liegt es am Deutschen, aber auch da überzeugen andere Martinson-Werke den Kritiker weitaus mehr - sehnsuchtsvoll denkt er etwa an stilistisch feinsinnige Natur- und Reisebeobachtungen in "Schwärmer und Schnaken" oder "Reisen ohne Ziel" zurück. Dagegen wirkt dieses Sci-Fi-Epos für ihn leider wie ein Reinfall.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.09.2025

Rezensentin Angela Gutzeit entdeckt mit "Aniara" eine "absolute Ausnahmeerscheinung" unter den Weltraum-Odysseen des 20. Jahrhunderts wieder. Siebzig Jahre nach Erscheinen des schwedischen Originals erscheint Harry Martinsons Dystopie nun erstmals in deutscher Übersetzung, lesen wir. Wie so viele Schreibende seiner Zeit verarbeitet der schwedische Autor hier die Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki und die Erfahrungen des Kalten Krieges. Auch Martinsons Dystopie ist als deutliche Warnung zu verstehen vor der "menschlichen Hybris". Einzigartig daran ist vor allem die Form, stellt Gutzeit fest: In 103 Versen erzählt sein Epos von einem gigantischen Rettungsraumschiff, das nach der Zerstörung der Erde vom Kurs abkommt, und sich in den Weiten des Alls verliert, am Ende bleiben nur noch Artefakte. Wie virtuos Martinson hier Spiritualität, technologische Neuerungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und philosophische Reflexionen miteinander verbindet und zur Lyrik erhebt, nennt die Rezensentin "frappierend" und: Eine Herausforderung für Leser, die sich lohnt!

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