Aus dem Mittelhochdeutschen von Rüdiger Krohn. Nach dem "Erec" im Jahr 2007 kann Reclam Hartmanns zweiten großen Artusroman, den "Iwein", in einer Neuausgabe vorlegen. Der Artusritter Iwein hat ein ganz ähnliches Problem wie Erec, höfische Liebe und Ritterlichkeit einerseits mit dem Führen einer ordentlichen Ehe und der Erfüllung der Herrscherrolle zu vereinbaren: Iwein verfährt sich auf einer Tournierreise, die ihm seine frisch errungene und angetraute Herrin Laudine gestattet hat, verspätet sich bei der Rückkehr, wird verstoßen und muss sich bewähren in einer langen Abenteuerkette und Probe auf seine Verlässlichkeit. Der Roman war schon im Mittelalter hochberühmt, breit überliefert und oft nacherzählt, er gilt bis heute als ein viel studiertes Muster seiner Gattung und in allem Farben- und Figurenreichtum jung und frisch geblieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2012
Joachim Heinzle hat seinen Iwein gelesen. Und er macht uns Lust darauf, es ihm gleich zu tun. Hartmann von Aue, versichert er, fügt dem Urstoff von Chretiens de Troyes eigene Akzente hinzu, Erotik und Exotik und Humor sogar! Der Artusroman wird damit zum echten Reißer mit durchaus moderner Prägung und Relevanz, meint der Rezensent. Die vorliegende, "schön gedruckte" Reclam-Ausgabe überzeugt Heinzle allerdings vergleichsweise wenig. Gut findet er den knappen, klugen Kommentar, weniger gut die allzu knappe, die Marotten des Schreibers wesentlich beibehaltene Aufbereitung der mittelhochdeutschen Textgrundlage aus der Gießener Handschrift B, und nur "lesbar", aber nicht immer korrekt die Übersetzung durch Rüdiger Krohn.
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