Der etwa vierzigjährige Mann
Roman

Diogenes Verlag, Zürich 2025
ISBN
9783257073430
Gebunden, 128 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Auf der Suche nach Schönheit begibt sich ein Mann auf eine Reise durch die Jahrhunderte und lernt ihre Schrecken kennen. Ein anderer verliert sich in der Liebe und stößt doch nur auf ihre Unmöglichkeit. Und einen dritten lässt die Frage nach den letzten Dingen in den Abgrund blicken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2025
Immer noch gehört Hartmut Lange zu den "großen Unbekannten", beklagt Rezensent Ulrich Steinmetzger. Warum das so ist, ist dem Kritiker unerklärlich, hält man hier doch die Texte eines "Virtuosen der sprachlichen Verdichtung" in Händen. So auch im neuen Erzählungsband, der drei Geschichten enthält, die sich den "Rätseln des Lebens" widmen und es dem Kritiker angetan haben: In der ersten reist ein Mann durch unterschiedlichste Epochen und Länder, um große Kunstwerke an ihren Originalschauplätzen besichtigen zu können und hier Trost und Erhebung zu finden - doch jeder historische Moment, den er bereist, ist gleichzeitig geprägt von Gewalt und Zerstörung: Gladiatorenkämpfe in Rom, Savonarola in Florenz, die Guillotine in Paris. "Kunst ist immer in Gefahr", wird der Protagonist von Botticelli belehrt, als er diesen in seinem Atelier besucht. In der zweiten, "humorgrundierten" Geschichte geht es um ein Duell im Spandauer Forst, in der dritten um den Selbstmord des Kornhändlers Ordinow, der jemanden dafür bezahlt, sich vor dem Todesschuss seine philosophischen Ergüsse anzuhören, erzählt Steinmetzger. Die "dunklen Fieberkurven" dieser Geschichten haben den Kritiker jedenfalls eindeutig in ihren Bann geschlagen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.04.2025
Für den Rezensenten Jürgen Verdofsky ist Harmut Lange so etwas wie ein Großmeister der Novelle und zeigt das auch mit 88 Jahren noch in einem neuen Band. In der titelgebenden Erzählung begibt sich der Protagonist auf eine unfreiwillige Zeitreise, die vor allem "Gewaltexzesse in schneller Reihenfolge" zeigt. Lange ist zwischen dem römischen Reich, der Hinrichtung einer Kindsmörderin in Weimar und Auschwitz "auf der Suche nach der Kunst" statt der Wirklichkeit unterwegs, was für den Kritiker leider zu hoch zielt, um ihn wirklich zu überzeugen. Besser gefallen hat ihm eine Geschichte nach einem Motiv von Arthur Schnitzler: Ein Sekundant muss der Gattin des Duellanten von dessen Tod berichten, doch sie hat den "Ruf einer Marmorstatue." Das Dilemma der beiden zwischen Gefühlssehnsucht und -kälte und den Zwängen der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg wird für Verdofsky höchst philosophisch dargelegt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 01.04.2025
Ein kluges, eigensinniges Alterswerk legt Hartmut Lange hier in den Augen von Rezensent Helmut Böttiger vor. Es enthält drei Prosatexte: Böttiger beschäftigt sich vor allem mit dem ersten, der damit beginnt, dass ein Mann an der Elbe steht, seinen Mantel ab- und stattdessen eine Tunica anlegt. Das ist der Beginn einer Zeitreise, die den Erzähler erst ins Rom der Gladiatoren und dann in andere historische Epochen führt, zu den Medici, in die Zeit Goethes. Eines haben alle diese historischen Momente gemein, so Böttiger: überall herrschen Mord und Totschlag. Durch "finstere Komik" zeichnet sich sowohl dieser Text für Böttiger aus als auch die beiden anderen: Ein Dramolett, das um Duelle, Frauen und den Berliner Grunewald um 1900 kreist, wie wir lesen, und ein "zeitloses" philosophisches Gespräch zweier Männer, die über die "Logik des Selbstmordes" debattieren. Für den Rezensenten erweist sich Lange hier jedenfalls aufs Neue als ein "präziser Vermesser des Abgründigen".