Hassouna Mosbahi

Rückkehr nach Tarschisch

Roman
Cover: Rückkehr nach Tarschisch
A1 Verlag, München 2000
ISBN 9783927743472
Gebunden, 171 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Mosbahis Roman erzählt vom Exil und von der Sehnsucht, in eine vergangene Welt heimzukehren. Träume und Realität vermischen sich und in poetischen Bildern wird ein Stück nordafrikanischer Geschichte und Gegenwart lebendig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2000

Die Rückkehr eines politischen Exilanten in seine Heimat Tunesien, die entsetzte Feststellung, dass durch den Islamismus alles schlimmer ist denn je zuvor, aber auch die Schwierigkeiten im Exil: Hans-Peter Kunisch attestiert diesem Buch, dass "seit Rachid Boudjedras `Topographie` kein anderer Roman aus dem Maghreb die schwierige Situation arabischer Intellektueller so überzeugend nahe gebracht" habe. Kunisch lobt die offene Erzählstruktur des Romans, die sowohl für Traumerzählungen als auch für politische Reflektion Spielraum lasse. Auch Mosbahis Darstellung der Geschlechterbeziehungen im Westen, die für arabische Intellektuelle so fremd und anders sind und Liebesgeschichten scheitern lassen, hat den Rezensenten berührt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.07.2000

Barbara von Becker zeigt sich spürbar beeindruckt von diesem Buch, in dem der Protagonist nach zehn Jahren Exil nach Tunesien zurückkehrt und dort auf eine Welt trifft, die ihm fremd geworden ist. Nicht nur, dass dort mittlerweile islamische Fundamentalisten Angst und Schrecken verbreiten. Auch er ist nicht mehr derselbe und muss versuchen, die westeuropäische Kultur mit der alten und neuen Wirklichkeit seines Landes für sich in Einklang zu bringen. Er erfährt, dass ein Jugendfreund sich umgebracht und ihm ein Tagebuch hinterlassen hat - ein "packendes Dokument der brutalen Szenerien von Gewalt und Menschenverachtung in einer militanten Diktatur", wie die Rezensentin anmerkt. Allerdings findet der Autor ihrer Meinung nach gerade hier zu seiner besonderen Stärke. All das, was er zuvor angerissen hatte, die "Motive von Persönlichem und Historischen, Kindheit und Gegenwart, Poesie und Politik" sieht sie hier gebündelt und gesteigert zu "einem großen stolzen Gesang". Lediglich die Übersetzung findet sie in einzelnen Punkten nicht immer glücklich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2000

Für Stefan Weidner besteht der "vorzüglich übersetzte" Roman des tunesischen Autors aus drei recht unterschiedlichen Teilen von wechselnder Qualität. Während ihn die Kindheitserinnerungen des Protagonisten fesseln und er "Passagen von großer Intensität" lobt, in denen der Autor brilliere, kritisiert er die Beschreibung der erzählerischen Gegenwart - die achtziger Jahre in Tunesien - als etwas blass. Im letzten Drittel des Romans, der aus den Tagebuchnachlässen eines Freundes des Helden besteht, vollzieht der Autor einen "gewagten Wechsel der Erzählperspektive", der im Ton allerdings nicht vom Protagonisten zu unterscheiden ist, bemängelt der Rezensent. Doch wenn der Roman auch keine wirklichen Aufschlüsse über den islamischen Fundamentalismus bietet, was wünschenswert gewesen wäre, so ist er doch zumindest ein "literarisches Kleinod" und als solches zu begrüßen, so der Rezensent abschließend recht versöhnlich.
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