Mit 51 Abbildungen. Unsere inzwischen vergriffene erste Ausgabe dieses Fotobands von 1988 war zugleich die erste Veröffentlichung aus dem fotografischen Werk von Re Soupault. Aus Anlass ihres 100. Geburtstags in diesem Jahr geben wir eine erweiterte Neuausgabe heraus, die weitere, bisher nicht bekannte Fotografien aus ihrem Nachlass enthält. Als erster Europäerin war es Re Soupault unter polizeilicher Aufsicht erlaubt, im "Verbotenen Viertel" von Tunis die Frauen zu fotografieren, die von ihrer Familie oder ihren Ehemännern verstoßen waren und sich prostituieren oder betteln gehen mussten, um überleben zu können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Raoul Schrott setzt sich nicht mit dem Bildband auseinander, den er besprechen soll, sondern berichtet stattdessen ausführlich von seinen eigenen Begegnungen mit der Fotografin, die mit ihrem Mann, dem surrealistischen Dichter Philippe Soupault, 1938 nach Tunis ging, um dort einen Radio-Sender gegen das Vichy-Regime aufzubauen. Immerhin kann Schrott davon erzählen, wie ihm Re Soupault selbst einmal die Fotos über das Viertel in der Tuniser Altstadt, wo verstoßene Frauen der Prostitution nachgehen, gezeigt hat: kein Elendskult, stellt Schrott fest und lobt die feinkörnigen, genau komponierten Aufnahmen, die dennoch nicht gestellt wirkten. Und er weiß auch zu berichten, dass sich der Erhalt und die späte Veröffentlichung dieser Fotos nur einem Zufall verdankt: die Soupaults mussten 1942 vor den deutschen Truppen fliehen und alles zurücklassen. Eine Freundin entdeckte die Negative später in einem Trödel-Geschäft in den Souks.
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