Herausgegeben von Hannah Dziobek und der Initiative Haus Marlene Poelzig. Mit 166 Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß. Berlin-Westend, Tannenbergallee 28, Wohnhaus Poelzig, Sommer 1929. Im Erdgeschoss liegt das Atelier von Marlene Poelzig: der Raum einer Architektin, Innenarchitektin, Möbeldesignerin, Bildhauerin. Der Raum einer Partnerin, der durch eine Tür direkt mit dem Arbeitsraum ihres Partners, Hans Poelzig, verbunden ist. Und der Raum einer Mutter, die mit einem kurzen Blick durch das Fenster jederzeit die im Garten spielenden Kinder sehen kann. Nicht einmal hundert Jahre später wird es dieses seltene Beispiel emanzipatorischer Architektur der 1920er Jahre nicht mehr geben. Im November 2021 beräumten die Bagger das Grundstück, das von Marlene Poelzig für sich und ihre Familie entworfene Haus ist seitdem Vergangenheit. Gegenwärtig aber sind die Forschungsergebnisse, die die Initiative Haus Marlene Poelzig während ihres Einsatzes für die Erhaltung des Hauses gesammelt hat. Immer noch aktuell sind die Fragen und Appelle an Forschung und Denkmalschutz, die die Biografie von Marlene Poelzig, die Architektur des Hauses und seine Geschichte bis hin zu seinem Abriss aufwerfen und für die es noch heute und in der Zukunft zu sensibilisieren lohnt. Ein fiktiver Spaziergang durch Haus und Garten rahmt Erkenntnisse zu Autorinnenschaft, Gleichberechtigung und Feminismen, Care-Arbeit und Architektur, Archivpraxis, Denkmalschutz und Substanzerhalt sowie Protestkultur und beleuchtet zugleich das noch wenig aufgearbeitete Gesamtwerk von Marlene Poelzig.
Das Haus Marlene Poelzig steht nicht mehr, aber immerhin gibt es jetzt ein reichhaltiges Buch darüber, schreibt Rezensentin Yi Ling Pan. Das 2021 gegen Widerstände abgerissene Berliner Gebäude war womöglich das einzige Haus, das in der Weimarer Republik von einer Architektin entworfen worden war, Marlene Poelzig hatte es 1930 für sich selbst erbauen lassen und verwirklichte darin ihre Ideen über natürliches Licht und Merhrzwecknutzbarkeit, erfahren wir. Der von der Initiative Marlene Poelzig sowie Hannah Dziobek und Hannah Klein herausgegebene Band versammelt eine ganze Reihe von Perspektiven auf Poelzig und das Haus, unter anderem, zählt Yi Ling Pan auf, geht es um Erinnerungskultur, Care-Arbeit und auch um die Biografie der Architektin, die meist im Schatten ihres Mannes Hans Poelzig, ebenfalls Architekt, stand, obwohl beide gleichberechtigt gestalterisch tätig waren und ihr Gatte sich für ihre Karriere einsetzte. Auch vor problematischen Aspekten des Themas schreckt der Band laut Rezensentin nicht zurück, so gelangte das Haus 1937 in den Besitz des Nazi-Regisseurs Veit Harlan, einige architektonische Gestaltungsmerkmale erwiesen sich als durchaus kompatibel mit der Naziideologie. Insgesamt ermöglicht es uns dieser Band, resümiert Yi Ling Pang, einen genaueren, komplexeren Blick auf unsere bauliche Umgebung zu werfen.
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