Mit Öffentliche Intimität setzt Heide Schlüpmann die Reflexionen zwischen Philosophie und Kino fort, die mit Abendröthe der Subjektphilosophie begonnen wurden. Die Fortsetzung ist jedoch zugleich eine Erweiterung des philosophischen Horizonts, so dass manches, was im ersten Buch in der Luft hängen zu bleiben schien, nun eine Basis erhält. Das gilt insbesondere für die Wissenschaftskritik. Die Klärung geschieht über die Ablösung des Begriffs der Wahrnehmung - aisthesis - durch den der Schau - theoria. Theoria bildet das -bewegende Moment abendländischer Philosophie, von dem unser Denken bis heute beeinflußt ist. Wie die Theorie im Kino sich wiederfindet, davon ist in dem Buch die Rede. Es entdeckt damit auch ein von Philosophen wie Filmwissenschaftlern unterschätztes Werk neu: Siegfried Kracauers Theorie des Films.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.11.2002
Der Untertitel von Heide Schlüpmanns "Öffentliche Intimität" benennt für Rezensent Sascha Michel die "entscheidende Pointe" des Buches: "Theorie im Kino" - schließlich gehe es Schlüpmann darum zu zeigen, dass im Kino selbst, als öffentlichen und zugleich intimen, abgedunkelten Raum etwas stattfinde, was man als "Theorie" ernstnehmen könne. Das "Erkenntnismoment" solcher Theorie - verstanden im ursprünglichen Sinn des Wortes als "Anschauung" und "Betrachtung" - sieht die Autorin in den Gefühlen und Körperregungen beim Schauen des Films, erklärt Michel ihre Ausgangsthese. Diese Schau nehme ihren Ausgang bei den künstlich erzeugten Lichterscheinungen auf der Leinwand, so Michel, "um sich bei aller Abstraktion von der Welt außerhalb des Kinosaals in den von Erfahrungen, Wünschen und Ängsten gespeisten ?Realität des Zuschauers' zu konkretisieren." Wie Michel ausführt, unterzieht Schlüpmann diese Abstraktion und die damit verbundenen Projektionen dann in der Tradition der Kritischen Theorie einer Kritik. Allerdings entzieht sich Schlüpmann zum Bedauern des Rezensenten einer transparenten Diskussion ihrer theoretischen Vorannahmen über die Kultur. Klärungsbedürftige und voraussetzungsreiche Theoreme von der Nietzscheanischen Kulturkritik bis zur Geschichtsphilosophie der Dialektik der Aufklärung werden dem Leser einfach so unterschoben, ärgert sich Michel. Die Folge: das Buch werde dadurch "merkwürdig opak".
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