Seit seinen aufsehenerregenden und höchst folgenreichen Anfängen ist der Film Gegenstand theoretischer Überlegungen gewesen. Die vorliegende Sammlung macht die zentralen Texte der Theoriegeschichte des Films zugänglich und ordnet die Originaldokumente sowohl zeitlich wie auch nach unterschiedlichen Themengebieten. Dabei wird eine Entwicklung deutlich, die von der Frage nach der Abbildung der Wirklichkeit über die Theorie der Schauspielkunst bis hin zu Fragen des Schnitts und der Montage reicht. Eine ausführliche Einleitung zeichnet die Zusammenhänge der unterschiedlichen Texte nach und gibt weiterführende Informationen. Neben ästhetischen werden auch wahrnehmungs- und kunsttheoretische Fragen ausführlich diskutiert und in ihrem historischen Kontext detailliert dargestellt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.03.2004
Fritz Göttler hat diesen Sammelband, der frühe Texte zur Filmtheorie von Georges Melies bis Sergej M. Eisenstein präsentiert, mit Interesse gelesen. Dabei zeigt sich, dass die Anfänge der Filmtheorie bereits ziemlich "schnell streng, seriös, theoretisch" werden, stellt der Rezensent fest. Erst mit Bela Balazs und Sergej M. Eisenstein geht es in den Texten wieder "freier, frischer, frecher" zu und insbesondere bei ihren Ausführungen zur Filmkunst werde spürbar, dass sie ihr Gebiet als "fröhliche Wissenschaft" empfinden, so ein fast erleichtert wirkender Göttler. Sind die anderen Beiträge doch ziemlich theoretisch, wird bei Eisenstein die "Praxis" beschworen und der Rezensent freut sich an der "frischen" Artikulation des Filmemachers. Mit den "genial assoziativen" Auslassungen zum Film kommt die Theorie des Films dann auch "voll in Fahrt", stellt er befriedigt fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2004
Thomas Meders Besprechung dieser von Helmut H. Diederichs herausgegebene Anthologie konzentriert sich vor allem auf eine Kritik der Text-Zusammenstellung. Die Hälfte der hier abgedruckten Texte stammt aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, und hier fragt sich der Rezensent, ob es sich überhaupt um filmtheoretische Texte handelt: "Ist es bereits Filmtheorie, wenn Georges Melies aus der Hexenküche seiner optischen Tricks berichtet?" Und hinsichtlich der Texte aus den zwanziger und dreißiger Jahren, die der Band dann im zweiten Teil versammelt, kritisiert der Rezensent, dass der Eindruck entstehe, in dieser Zeit sei nur in Deutschland und der Sowjetunion anspruchsvoll über Film nachgedacht worden. Und die "formästhetische Mittel" und Kategorien des Herausgebers schließlich, mit deren Hilfe er die Texte zu ordnen versuche, sind für Meder außerdem bloß "Material zu einem Gebäude, das nur auf dem Reißbrett existiert". Freude hatte der Rezensenten nur an einem "glänzenden Stück Wissenschaftsprosa" von Rudolf Arnheim in diesem Band.
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