1950 war jeder vierte, 1961 jeder fünfte DDR-Bürger ein Vertriebener, und Ende der 1980er Jahre lebten noch 3,7 Millionen sogenannte Umsiedler mit ihren nachgeborenen Kindern in der DDR, wo ihr Schicksal weitgehend tabuisiert wurde. Wie gelang es der SED, dieses Tabuisierungsgebot durchzusetzen, und wie reagierten die Vertriebenen selbst auf diesen Akt willkürlicher Geschichtsentsorgung? Wie gestalteten sich die bilateralen Beziehungen der DDR zu ihren östlichen Nachbarstaaten, aus denen die Vertriebenen stammten? Standen sie tatsächlich im Zeichen internationaler sozialistischer Solidarität oder herrschten auch hier - wie im Westen - verstockte Ressentiments?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2010
Laut Matthias Stickler gelingt es Heike Amos mit ihrem Buch, die Beschäftigung der Staatssicherheit mit den "Umsiedlern" und die SED-gesteuerte Behinderung ihrer Selbstorganisation in Verbänden überzeugend darzustellen. Ausführliche Informationen über die Beziehung der DDR zu Polen, zur Tschechoslowakei und zur Sowjetunion vor dem Hintergrund der deutschen Minderheiten im Land sowie über die SED-Agitation gegen die westdeutschen Vertriebenenverbände machen den Band für Stickler zu einer runden Sache.
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