Heiko Michael Hartmann

Das schwarze Ei

Roman
Cover: Das schwarze Ei
Carl Hanser Verlag, München 2006
ISBN 9783446207639
Gebunden, 235 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein arbeitsloser Akademiker hat Glück: Mit einem aufpolierten Lebenslauf und gefälschten Zeugnissen bekommt er in Berlin einen tollen Job in der Bundesgeschäftsstelle einer Partei. Doch die Sache hat einen Haken: Ständig muss er damit rechnen, als Betrüger entlarvt zu werden. Die karrieregeilen, rücksichtslosen Kollegen sitzen ihm im Nacken und seine Panik steigt von Tag zu Tag. Der Traum wird zum Alptraum. Bis plötzlich eine Ministerin auf ihn aufmerksam wird und an ihm Gefallen findet. Eine schonungslose Spiegelung des deutschen Alltagsmilieus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2007

Rezensent Rolf-Bernhard Essig hat sich mit einiger Begeisterung dieser "poetischen Zersplitterungsprosa" hingegeben, die diesen Roman seiner Beschreibung zufolge charakterisiert. Er lässt sich auch nicht von gelegentlich zugegebener Zermürbung abschrecken, obwohl ihm seine Rezensentendiskretion verbietet, genau zu erklären, was darin überhaupt geschieht. Es werde, soviel zumindest teilt er mit, inhaltlich und formal viel geboten. Zum Beispiel "unkonventionelle Interpunktion" sowie das "Aufbrechen grammatikalischer und semantischer Zusammenhänge". Es geht, soviel Information zumindest lässt sich herausfiltern, um einen namenlosen Angestellten, der durch Betrug eine Stelle in der Berliner Zentrale einer politischen Partei ergattert hat und dessen Persönlichkeitsgrenzen sich dort alsbald aufzulösen beginnen. Für den Leser bedeutet das dem Rezensenten zufolge eine Tauchfahrt durch die Abgründe der Bürokratie und der Literatur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2006

Als "amüsante Politsatire" über einen Berliner Verwaltungsjuristen, der dank einer Sekretärinnenintrige unverdient einen Spitzenjob bekommt, beschreibt Rezensent Hans-Peter Kunisch diesen Roman. Eine Weile fiebert er planmäßig mit dem Protagonisten mit, der ständig Angst hat, aufzufliegen. Als sich diese Spannung ein wenig abgeschliffen hat, stösst ihm dann doch die etwas gekünstelte, an Arno Schmitt und dem "Rönne-Stil" orientierte Sprache auf, in welcher der Roman geschrieben ist. Zwar ist diese "zersetzte Sprache" aus Sicht des Rezensenten eine der Stärken des Romans. Inhaltlich aber finde diese sprachliche Ambition keine Entsprechung. Denn es fehlt Heiko Michael Hartmanns Roman, wenn man Kunisch richtig versteht, eine Spur mehr Mut zur "schwarzen Groteske", weshalb sein drittes Buch für den Rezensenten letztlich nur eine "freundlich-skurrile" Geschichte bleibt.
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