Heimo Schwilk, der sich mit seinen Porträts von Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke einen Namen als Biograf gemacht hat, vergegenwärtigt die Lebensgeschichte Martin Luthers. Psychologisch einfühlsam und vertraut mit der von radikalen Umbrüchen bestimmten Epoche des ausgehenden Mittelalters, zeichnet er ein Bild jenes Mannes, der mit seiner Neukonzeption der Theologie das kirchliche Leben, aber auch die politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit revolutionierte - mit Wirkungen bis in die unmittelbare Gegenwart. Heimo Schwilk macht die scheinbar weit in die Ferne gerückte Gestalt des Reformators lebendig und stellt sich quer zur verharmlosenden Aktualisierung des Reformators, der keineswegs als "Modernisierer" zu vereinnahmen ist. Luther war kein Anwalt der Selbstbestimmung, der Autonomie des Einzelnen, seiner unbeschränkten Emanzipation und Mündigkeit. Diese Biografie provoziert und eröffnet einen neuen, frischen Blick auf den "Genius der Deutschen", der als Bibelübersetzer und Sprachschöpfer erreichte, dass die Grundfragen des Glaubens erstmals in Deutschland von einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden konnten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2017
Sprachlich gibt sich Heimo Schwilks Luther-Biografie ungezwungen und fern der "Gelehrtenprosa" zahlreicher vergangener Biografen, lobt Friedrich Wilhelm Graf. Streng chronologisch und mit weitestgehend sehr klassischen Deutungsansätzen wird Luthers Leben hier nicht nur als beispielhaft für die Epochenschwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit verstanden, sondern als Motor für den Übergang zwischen den Zeiten, erklärt der Rezensent. Dabei stellt sich Schwilk entschieden auf Seiten des Protestantismus, den er als "Durchbruch zum besseren Christentum" begreift, wie Graf zitiert. "Luther" ist also wohl hauptsächlich als erbauliche Vergewisserung für Protestanten gedacht, fasst der Rezensent zusammen.
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