Die Reformation entstand fernab von den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren Europas, und doch hat sie den gesamten Kontinent in Aufruhr versetzt. Viel ist darüber spekuliert worden, welche politischen und sozialen Faktoren für diese Revolution verantwortlich waren. Thomas Kaufmann sieht die wichtigsten Beweggründe in der Religion selbst. Den Reformatoren ging es um das Seelenheil. Als der Papst Luther und seine Lehre verdammte, hätte dies das Ende sein können. Doch Luther sah den Papst selbst in ewiger Verdammnis. So nahm die Kirchenspaltung ihren Lauf. Hass auf die Verdammten ließ Menschen in den Krieg ziehen, in der Hoffnung auf Erlösung verließen unzählige ihre Heimat und trugen die Reformation in die letzten Winkel der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2017
Cord Aschenbrenner findet Thomas Kaufmanns Reformationsgeschichte brillant. Schon, da der Autor sie von Anbeginn historisiert hat, wie Aschenbrenner schreibt, und damit den vielfältigen Inanspruchnahmen Luthers zuvorkommt. Stattdessen bietet der Autor laut Rezensent unter zahlreichen anderen Aspekten der Reformation einen eingehenden Blick auf die Publizistik und den Buchdruck. Zusammen mit seinen reichen Illustrationen wird der Band dadurch für Aschenbrenner zu einer der interessantesten Neuerscheinungen zum Thema, die auch Fans der europäischen Geschichte des 16. Jahrhunderts mit Gewinn lesen werden, wie der Rezensent glaubt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.11.2016
Johann Hinrich Claussen hält Thomas Kaufmanns Reformationsgeschichte für ein großes Glück. Was der Göttinger Kirchenhistoriker hier vorlegt, basiert laut Claussen auf zwei glücklichen Grundentscheidungen des Autors: Erstens auf dem strikten historischen Ansatz des Buches ohne Aktualisierungen oder ideenpolitische Vereinnahmung, zweitens der Sicht auf die Reformationsgeschichte als Kommunikationsgeschichte. Indem der Autor Luther als begnadeten Medienmann zeigt, der die medialen Revolutionen seiner Zeit (Buchdruck, Bildpropaganda, theologische Schaukämpfe etc.) zu nutzen wusste, erklärt Claussen, vermeidet er falsche Paarungen wie die zwischen Theologie und Kulturgeschichte oder die zwischen Ideen- und Ereignisgeschichte. Für den Rezensenten ein Lektüregenuss, auch weil Kaufmann nie pädagogisch wird, wie Claussen schreibt, und dem Leser, Laie oder Kenner, in eleganter Diktion einen klaren Überblick vermittelt und den Blick auf die Reformationsgeschichte ins Globale weitet und fairerweise auch andere Spielarten des Protestantismus würdigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2016
Dorothea Wendebourg schätzt das große Panorama, das der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann auf knappen Raum mit viel Konsenswissen und ohne theologiegeschichtliche Engführung entwirft. Dass sich die Reformation für den Autor erst mit konkreten kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen verwirklicht, an deren Beginn Luther stand, nimmt die Rezensentin zur Kenntnis und scheint beeindruckt von Kaufmanns präziser Darlegung der für Luthers Rolle in Europa entscheidenden Faktoren, namentlich des Buchdruckes. Hier liegt für Wendebourg die spezifische Sicht des Autors auf die Reformationsgeschichte.
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