Gott ist gerecht, und die Christen sind frei. Thomas Müntzer (1489-1525) wollte diese Grundeinsichten der Reformation auch politisch durchsetzen. Dafür schloss er sich dem Aufstand der Bauern an, wurde gefoltert und hingerichtet. Hans-Jürgen Goertz erzählt das Leben dieses Revolutionärs, der das Reich Gottes ganz nahe wähnte. Mit seiner mystischen Theologie und der Devise "Alles gehört allen" hat Thomas Müntzer über Jahrhunderte polarisiert. Der anfängliche Verehrer Martin Luthers wurde von diesem verachtet und angefeindet, in der Kirche wurde er totgeschwiegen. Die Anerkennung kam spät von anderer Seite: Friedrich Engels entdeckte den frühen Revolutionär, Heinrich Heine bewunderte den "heldenmütigsten und unglücklichsten Sohn des deutschen Vaterlandes", Ernst Bloch verehrte den "Theologen der Revolution", und die DDR versah ihre Fünf-Mark-Scheine mit Müntzers Konterfei. Jenseits der Kämpfe um Thomas Müntzer verortet Hans-Jürgen Goertz seine Theologie und sein Wirken in seiner Zeit und macht gerade dadurch deutlich, warum Müntzer bis heute die Gemüter erregt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2015
Peter Gauweiler stimmt nicht jeder These Hans-Jürgen Goertz' zu, die dieser in seiner Biografie Thomas Müntzers vertritt. Das Verhältnis zu Luther sei weniger gesprächsbereit gewesen als Goertz es beschreibt, Müntzers Willkür beim Verhängen von Todesurteilen könne zumindest nicht ausgeschlossen werden und seine Gewaltbereitschaft dürfte kritischer betrachtet werden, fasst der Rezensent zusammen. Allerdings hält Gauweiler Goertz sehr zugute, dass dieser wiederholt auf die dürftige Quellenlage aufmerksam macht, alternative Interpretationen immer wenigstens erwähnt und den Einfluss von Karl Marx auf seine Betrachtungsweise offen zugibt.
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