Zwei Menschen sind nach dem Großen Atomkrieg Mitte der 1950er Jahre noch übrig - und nicht einmal diese zwei halten?s miteinander aus: Sie blicken in den "Schwarzen Spiegel" der Melancholie und streifen am Ende getrennt über die Erde, die beiden letzten Menschen, über die einen Roman zu schreiben Lichtenberg schon 1793 empfahl. Arno Schmidts Kurzroman von 1951 ist eine Wissensmischung aus Vergangenheit und Ahnungen einer düsteren Zukunft, ein Palimpsest, und sein Held ein kulturelles und psychisches Gedächtnis aus einem Grenzbereich zwischen Vorwelt und tödlicher Zukunft, in der sich ein Jemand in einen letzten Niemand verwandeln wird. Die Dichte der Anspielungen und Zitate in diesem frühen, düsteren und rapiden Text Arno Schmidts - dem letzten Teil der Trilogie "Nobodaddy?s Kinder" - verlangt nach Zitat-Nachweis, Kommentar und Erläuterung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.07.2009
Heinrich Schwiers Kommentarband zu Arno Schmidts Erzählung "Schwarze Spiegel" findet viel Anklang bei Tobias Lehmkuhl, der hier eine "Lust am Text" erkennt, die er durchaus teilt. Grundsätzlich findet er, dass der Schmidt-Exeget, im Hauptberuf Lehrer, das richtige Maß mit seinen detaillierten Kommentaren findet, wenn er ihn selten auch mal übertreiben sieht, etwa wenn er eine durchaus alltägliche Wendung für eine Vollbremsung auf dem Fahrrad bei Goethe, Schiller und Lessing nachweist. Dafür hat er aber eine Fülle von hilfreichen Erklärungen für die zahllosen Zitate, Anspielungen und Verweise, für die Arno Schmidts Werk berühmt ist, gefunden und so lobt er das Buch bei aller Schmidtomanie, die diesen Kommentar charakterisiert, als "vernünftige Angelegenheit".
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