Heinrich von Pierer und die Siemens AG verbinden vier Jahrzehnte. Als Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender repräsentierte er 15 Jahre lang den Weltkonzern mit fast 500.000 Mitarbeitern in 190 Ländern. In seinem Leben spiegeln sich die deutsche und die Weltgeschichte des letzten halben Jahrhunderts. Ob Wiedervereinigung oder Kernkraft-Debatte, Aufstieg Asiens oder Irankonflikt, Dotcom-Blase oder Klimawandel neben der Wirtschaft ging es immer auch um Politik: Die Kanzler Kohl, Schröder und Merkel suchten Pierers Rat, mit dem chinesischen Ministerpräsident Li Peng diskutierte er über Menschenrechte und als einziger Unternehmer trat er vor dem UN-Sicherheitsrat in New York auf. Selbstverständlich äußert sich "Mr. Siemens" außerdem zu den Hintergründen der Korruptionsaffäre, die das Unternehmen erschütterte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2011
Für diesen Autor gilt laut Rezensent die Unschuldsvermutung. Dass Heinrich von Pierer in seiner Autobiografie jedoch derart lautstark die Korruptionsthematik verschweigt beziehungsweise dramaturgisch geschickt kurz am Beginn und am Ende des Buches behandelt und stattdessen anekdotenreich seine Lebensleistung ausbreitet, empfindet Christian Geyer dann doch als ein An-der-Nase-Herumführen des Lesers. Geyer selbst unterläuft diese Dramaturgie, indem er einfach alles dazwischen als Subtext zur Schmiergeld-Affäre liest. Pierers Geschichte erscheint ihm sodann reizvoll aber auch ein bisschen phantomhaft, weil Pierers Rausschmiss bei Siemens dem Mann im Grunde die Grundlage seines Seins entzogen hat, so kommt es Geyer jedenfalls vor. Skurril bleibt für ihn auch, über niedliche PR-Aktionen bei Siemens oder Pierers Weinchen und Bierchen mit Schröder, Stoiber und Co. zu lesen, immer mit der Ahnung, gerade einem aufwendigen Ablenkungsmanöver beizuwohnen.
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