Helena Adler

Die Infantin trägt den Scheitel links

Roman
Cover: Die Infantin trägt den Scheitel links
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2020
ISBN 9783990272428
Gebunden, 192 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Dass sie, die jüngste Tochter, das zarte Kind, den Bauernhof ihrer Eltern abfackelt, ist nicht nur ein Versehen, es ist auch Notwehr. Ein Akt der Selbstbehauptung gegen die Zumutungen des Heranwachsens unter dem Regime der Eltern, einer frömmelnden, bigotten Mutter und eines Vaters mit einem fatalen Hang zu Alkohol, Pyrotechnik und Esoterik. Von den älteren Zwillingsschwestern nicht zu reden, zwei Eisprinzessinnen, die einem bösen Märchen entsprungen sind und ihr, der Infantin in Stallstiefeln, übel mitspielen, wo sie nur können. Und natürlich fehlen auch Jäger, Pfarrer und Bürgermeister nicht in dieser Heuboden- und Heimatidylle, die in den schönsten Höllenfarben gemalt ist und in der es so handfest und herzhaft zugeht wie lange nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2020

Rezensentin Maria Frisé hat nichts zum Lachen mit Helena Adlers Familienroman. Idyllisch ist hier nichts, wenn die Autorin von ihrer Kindheit in einem Salzburgischen Bergbauerndorf erzählt, vom saufenden Vater und der schrecklichen Mutter. Wie sich Adler selbst als Infantin stilisiert, während um sie herum eine Brueghelsche Teufelsvision losbricht, findet Frisé mindestens gewöhnungsbedürftig. Provokant ja, aber nicht sehr glaubwürdig scheint der Rezensentin die Geschichte. Märchen oder doch die schreckliche Wahrheit?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.09.2020

Rezensentin Julia Friese folgt Helena Adlers "lustvoll schmatzendem Wortaufstrich aus Flöhen, Blut und Mist" mit wohligem Grausen. Dass dem Text, der sich entlang von Gemälden von Baselitz und Bruegel einer bäuerlichen österreichischen Kindheit annähert, der Plot fehlt, stört Friese nicht. Adlers unheimliche Erinnerungen an eine brutale Lebensrealität mit Inzest, Wanzen und Mordfantasien, die die Autorin laut Friese mit popkulturellen Niedlichkeiten zu verschönern weiß, sind lebendig durch eine zuckende Sprache. Nur das Ende wirkt auf die Rezensentin "eilig" und wie angeklebt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2020

Kristina Maidt-Zinke hofft auf weitere "schräge Werke" von Helen Adler. Adlers erster Roman jedenfalls mundet der Rezensentin vorzüglich. Vor allem, dass die Autorin die Parodie zu ihren Beschreibungen einer Kindheit und Jugend auf dem Bauernhof gleich mitliefert, gefällt ihr. Zorn und Komik wechseln einander ab, meint sie. Die "gebrochene Dorfbiografie" aus dem Anti-Heimat-Fach hat es laut Rezensentin in sich, nämlich den künstlerischen Anspruch wie den derben Pinselstrich gleichermaßen. Die "liebevoll skurrilen" Zeichnungen von Eltern, Geschwistern und Großeltern und das Drama am Schluss, inklusive des von der Erzählerin abgefackelten Hofs haben Maidt-Zinke sichtlich Freude gemacht.

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