Die Rautenbergs: die Geschichte einer westdeutschen Unternehmerfamilie und ihres Verfalls. Als Wilhelm und Inga sich kennenlernen, sitzt Adenauer noch im Kanzleramt. Arzttochter Inga ist eine Schönheit und Wilhelm, ein erfolgreicher Dressurreiter, die beste Partie. Doch kurz nach der Geburt des zweiten Kindes stirbt Inga an Leukämie. Die jüngere Tochter wird zu den Großeltern mütterlicherseits gegeben, die ältere bleibt beim Vater. Der baut sich, um den Zwängen der Freikirchlichen Gemeinde und seiner strengen Mutter zu entfliehen, ein Haus, kilometerweit vom nächsten Nachbarn. Nach sieben Jahren holt Wilhelm seine Jüngste wieder zu sich - , ganz wie im Märchen. Was aber folgt, ist alles andere als märchenhaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.04.2020
Felix Stephan weist auf die zweite Ebene hin in Eva Sichelschmidts scheinbar so naiv erzähltem Roman über zwei Frauenschicksale im Nachkriegsdeutschland. Subtil verquickt die Autorin laut Stephan motivisch die Todeskrankheit der Protagonistin mit den Verdrängungmechanismen der jungen, reichen und schönen BRD. Dass die Verdrängung bis in die Sprache reicht, führt der Text dem Rezensenten ebenfalls gekonnt vor Augen.
Rezensent Christoph Schröder bewundert, wie Eva Sichelschmidt ihre teils autobiografische Familiengeschichte aus der Adenauerzeit gegen Ende von allem zunächst allzu sorgsam inszenierten Zeitambiente (Sprache, Mode, TV, Schokoriegel etc.) befreit, um sich ganz dem bodenlosen Sturz eines Mannes aus der Flakhelfergeneration und dem Bankrott eines Familienbetriebs zu widmen. Erst hier wird das Buch mit seinem weiten Erzählbogen und seinen zwei Erzählebenen für Schröder zur mitreißenden, literarisch kraftvollen Lektüre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2020
Rezensent Andreas Platthaus scheint Eva Sichelschmidts Roman für solide Unterhaltungskost aus dem Bereich des Familienromans zu halten, die mit ambitionierter Form trumpft. Die auf zwei Zeitebenen (60er, 90er) spielende, aus weiblicher Sicht erzählte Familiengeschichte vom Rand des Ruhrgebiets fordert Platthaus mit seinen wechselnden Perspektiven. Auch trifft der Rezensent auf "brillante Sarkasmen", wenn die Autorin sich den 60er Jahren zuwendet. Insgesamt allerdings findet Platthaus die Handlung zu vorhersehbar und nur in Teilen fesselnd.
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