Es gibt zwei Arten Liebe. Eine Liebe auf den ersten Blick, und eine auf den zweiten, eine kompliziertere Art der Liebe. Die Gedichte Paul Celans lösen in ihren Lesern jene zweite Art Liebe aus, die der Dichter selbst einmal "zwangsjackenschön" nannte. Eine Liebe, die verdient, erarbeitet, manchmal auch erkämpft sein will. Insofern gleicht sie der Landschaft der Bretagne, ihren spröden Schönheiten, ihren verschlossenen Bewohnern, ihren jahrtausendealten Geheimnissen. Von Paul Celan, von der Bretagne und von der Liebe erzählt dieses außergewöhnliche Buch. Es ist eine Anleitung, wie man Gedichte und Landschaften liest, und ein Buch über die Liebe. Die Liebe zwischen einem mittellosen deutschsprachigen Ostjuden und einer Tochter aus dem französischen Hochadel, die Liebe zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die Liebe zwischen Leser und Dichter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2007
Mit diesem Buch über Paul Celans Zeit in der Bretagne begibt sich Helmut Böttiger schon zum zweiten Mal auf die Suche nach bedeutsamen Orten für den Lyriker und dessen Werk, teilt Beate Tröger mit. Sie würdigt den Autor als ausgewiesenen Celan-Kenner und bescheinigt ihm, bei der Abschreitung der Orte den biografischen Hintergrund "anschaulich" zu schildern. Dennoch erscheint ihr die Methode Böttigers zumindest problematisch, weil er sich durch Annäherung und Einfühlung Aufschluss über die Gedichte erhofft. Böttiger findet sich so weit in den spezifischen Ton Celans ein, dass seine Landschaftsbeschreibungen und die daraus resultierenden Gedichtinterpretationen häufig etwas Raunendes bekommen, was die Rezensentin stört. Ob die poetische Annäherung wirklich zum besseren Verständnis von Celans Gedichten beiträgt, hält Tröger zumindest für zweifelhaft, sie glaubt aber immerhin, dass Freunde von Böttigers erstem Buch auch diesem Band viel abgewinnen können werden.
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