Dieses Buch ist eine Trouvaille: Es handelt sich um ein der Forschung bislang entgangenes Buch von Helmut Eisendle, das dieser Anfang der siebziger Jahre als Unikat hergestellt hat und das in einer österreichischen Privatbibliothek bewahrt wurde. Sein Ausgangspunkt ist der Befund, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte, und das vor allem wegen der ungleichen Verteilung der Macht, die die Machtlosen dazu nötigt, sich etwas einfallen zu lassen. Das ist die Stunde des wissenschaftlich orientierten Autors: In sorgfältig argumentierender Deduktion belegt er die Notwendigkeit des Handelns, zeigt auf, wer unter welchen Bedingungen und wie als Täter eingreifen sollte, und liefert dann mit einem Glossar von 33 Giftpflanzen dazu die nötigen Waffen. Farbige Tafeln zeigen das Gewächs, eine Tabelle listet die biologischen und vor allem toxischen Qualitäten auf und eine Fallgeschichte exemplifiziert jeweils die finalisierende Wirkung der Gifte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.02.2010
Mit Wohlgefallen hat Karl-Markus Gauß dieses Buch von Helmut Eisendle gelesen. Das vor vierzig Jahren erstellte Unikat, das zu seiner Freude jetzt veröffentlicht wurde, bietet in seinen Augen instruktive Beschreibungen von in der Volksmedizin bekannten Heilpflanzen, die bei entsprechender Dosierung auch zum Tod führen können, prachtvolle Farbillustrationen aus einem alten botanischen Lehrbuch sowie kuriose Anekdoten um den tödlichen Einsatz dieser Pflanzen. Er liest das Buch und insbesondere die Einleitung, in der Eisendle eine "aberwitzige Theorie" vom Kampf der "sthenischen Minderheit" gegen die "asthenische Mehrheit" aufstellt und dabei den den akademischen Jargon seiner Zeit karikiert, auch als Wissenschafts-Satire. Das Urteil des Rezensenten: ein "munterer Text, der seinen Charme bewahrt hat".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2009
"Ein ingeniöses, ebenso witziges wie intelligentes Buchwerk" hat Felix Philipp Ingold mit Helmut Eisendles "Tod & Flora" gelesen. Er empfiehlt es denn auch für alle Erniedrigten und Herabgesetzten, die mit diesem Kompendium eine Auswahl der nützlichsten Pflanzen und ihrer Giftstoffe an die Hand bekommen, mit dem sich ungeliebte Unterdrücker fortan leicht beseitigen lassen. Gerade an den Fallbeispielen der Giftmorde wird der Leser die zynische und vielleicht auch problematische Seite des Buches zu schätzen lernen, weiß Ingold und betont noch einmal die "hohe poetische Qualität" von Eisendles Lehrbuch, dass neben der Pflanzenkunde und den Fallbeispielen ebenso ein Glossar der bekanntesten Vergiftungssymptome führt.
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