Immer spielen Politiker die Haupt- und Nebenrollen. Gekonnt die einen, mühsam andere, mit allen Wassern gewaschen dritte. Politik ist untrennbar mit Personen verbunden. Mit ihnen wird gezeigt, wie die Bundeshausmechanik funktioniert. Auch bei Parteimitgliedern nimmt Genosse Helmut kein Blatt vor den Mund. Die Parlamentarier heissen Volksvertreter. Oft erkennt sich das Volk in diesem Parlament nicht ganz wieder, denn in der Politik geht es um Interessen. Die verschieden sind. Der Autor hat das alles mitgemacht. Das ist der Stoff seiner Geschichten. Bundesräte sind die Solisten. Zugleich sollten sie mit einer Stimme reden. So will es das Kollegialsystem. Allerdings ohne Gewähr. Christoph Blocher ist heute der Spielverderber. War es mit Rudolf Gnägi besser? Oder mit Kurt Furgler, Jean-Pascal Delamuraz, Kaspar Villiger? Der Eindruck, die sieben Bundesräte seien keine Mannschaft, liegt wie Mehltau über dem Bundeshaus. So brandneu ist das nicht. Das geht wie ein roter Faden durch Hubachers Buch. Willi Ritschard würde sich darüber freuen. Otto Stich wird sich ärgern. Hans-Rudolf dürfte sich wundern.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2007
Noch ein Buch des früheren Präsidenten der sozialdemokratischen Partei der Schweiz, konstatiert der C.W. zeichnende Rezensent, aber die Lektüre lohne sich gleichwohl. Helmut Hubacher porträtiert elf Bundesräte aus vier Jahrzehnten und weitere Persönlichkeiten, die er keineswegs nur aus der Perspektive seiner Partei darstelle. Allerdings verschweige der Autor dann doch beispielsweise die Widerstände in seiner Partei gegen Bundesratskandidatin Lilian Uchtenhagen, oder bei einem guten Freund schreibe er prophylaktisch schon selbst von einer "geschönten" Darstellung. Gut gefallen hat dem Rezensenten die Würdigung des Thuner Stadtpräsidenten Hansueli von Allmen, der für die Abschaffung der Armee eingetreten sei und später auf sein Nationalratsmandat verzichtet habe. Und wie schreibt Helmut Hubacher über den politischen Feind Christoph Blocher? "Gelassen", denn dieser sei aus Sicht des Autors schließlich nur so stark, wie die anderen Bundesräte schwach seien.
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