Vier Jahreszeiten und vier Himmelsrichtungen gibt es. Vier Reisen hat Helmut Krausser unternommen. In alle Winkel Deutschlands ist er gereist. Mit dem Flugzeug, mit dem Zug, mit dem Taxi und zu Fuß. Helmut Krausser charakterisiert Städte aufmerksamer und sensibler als andere Autoren ihre Romanfiguren. Er ist ein scharfsinniger Beobachter unserer Gegenwart, knallhart zu sich selbst und zu allen, die ihm über den Weg laufen. Ergänzt um die Poetikvorlesungen "Pathos und Präzision", die der Autor an der LMU München hielt, werden die Reiseberichte und Tagebuchaufzeichnungen so zum intimsten Einblick in sein Werk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2014
Daniela Strigl ist entsetzt. Dass der eigentlich von ihr bewunderte Autor derart wenig Selbstironie oder Geist und Witz, dafür umso mehr Eitelkeit und Testosteron an den Tag legen könnte, hätte sie nicht gedacht. Was Helmut Krausser hier abliefert, Reisetagebuchausschnitte an Poetikvorlesungen, macht Strigl verlegen. Auch wenn zwischen Notaten über Hotelniveaus, Lesungshonorare und Zuhörerzahl immer mal wieder Kraussers dramatisches Talent aufblitzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2014
Jörg Magenau kann diesen Autor nur schwer ertragen. Das liegt an Helmut Kraussers Welt, in der der Autor selbst als Mittelpunkt thront. Über das erträgliche Künstlerego geht das für Magenau weit hinaus und macht dem Leser das Lesen schwer, denn heilsame Verunsicherungseffekte, etwa wenn Krausser auf einen Gegenkrausser trifft, sind im Buch selten, meint Magenau. So aber werden die zwischen 2006 und 2012 verfassten Texte über Lesungen und eine für Krausser unerträgliche Literaturkritik zum Martyrium für den Rezensenten. Dazu trägt auch bei, dass dieser Autor nicht gut denken kann, wie Magenau weiß, und seine Thesen, z. B. über Pathos und Kitsch, zwar fett, aber wackelig formuliert. Der Rest ist Ressentiment, meint Magenau genervt.
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