Man kann Schüler auf der Waldorfschule sein, ohne an Reinkarnation zu glauben. Man kann Demeter-Erdbeeren aus biodynamischer Landwirtschaft schmackhaft finden, ohne auf der Zunge kosmische Kräfte zu spüren. Man kann die vielen Praxisfelder der Anthroposophie nutzen, aber man wird ihren Herzschlag nicht verstehen, wenn man nicht ihren Vater und Ideengeber kennt: Rudolf Steiner (1861-1925), das Kind aus einem Krähwinkel des Habsburgerreiches, der einer der großen Esoteriker des 20. Jahrhunderts wurde. Helmut Zander schreibt die kritische Biografie des kantigen Querdenkers, der seiner unangepassten Grundsätze wegen bis heute Gläubige fasziniert und Gegner provoziert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2011
Gleich drei neue Biografien des Anthroposophenkönigs Rudolf Steiner kündigt Manuel Gogos an, die alle versuchen, die Ambivalenz aufzufangen, die das Steiner-Bild heute prägt. Näher geht er in seinem Text allerdings nur auf Helmut Zanders Buch ein. Der Religionshistoriker hat bereits in seinem zweibändigen Mammutwerk "Anthroposophie in Deutschland" die Geschichte der Bewegung eingehend rekapituliert, und nun bettet er Steiner in seine Zeit ein, in die damalige Lebensreformbewegung samt aufkommendem Ausdruckstanz. Im Ergebnis wird für Gogos Steiners "Magiermantel fadenscheinig", und auch wenn er Zanders kritische Unerbittlichkeit für die Stärke des Buchs hält, wird es ihm doch zu viel, nämlich dann, wenn die Wertungen überhand nehmen.
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