Aus dem Englischen neu übersetzt und mit einem Nachwort von Walter Kappacher. An der englischen Küste, in Bournemouth, sucht der alternde Schriftsteller Dencombe Ruhe, um sich von einer Erkrankung zu erholen. Er sitzt am Meer, mit seinem jüngsten Buch in Händen, "Die mittleren Jahre" heißt es, als ihm ein junger Mann auffällt, Privatarzt einer Gräfin, der im gleichen Buch liest. Im Gespräch mit Dencombe erzählt Doktor Hugh von seiner Bewunderung für den Autor, ohne dass er ihn erkennt, ohne dass der sich zu erkennen gibt. Bis der erschöpfte Dencombe das Bewusstsein verliert. Als er wieder erwacht, weiß der Doktor, wen er vor sich hat, und Dencombe offenbart sich ihm in all seinen Selbstzweifeln, Ängsten und der Hoffnung auf einen neuen Anlauf, eine zweite Chance. "Die mittleren Jahre", 1893 erstmals erschienen, ist das Selbstporträt eines Schriftstellers als alternder Mann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2016
Lothar Müller freut sich, dass eine Reihe von Neuübersetzungen und frischen Ausgaben das Werk von Henry James in Deutschland wieder etwas zugänglicher machen. James ist für den Rezensenten eine außerordentliche Erscheinung: Jemand, der in Europa so zuhause ist wie in Amerika, der die Moderne mit all ihren technischen Neuerungen beobachtet und beschreibt (Passagierdampfer, Unverwasserkabel nennt Müller als Beispiel), und der sich für die gesellschaftlichen Folgen dieser Modernisierung ebenso interessiert wie für die Finanzen seiner Protagonisten. "Die mittleren Jahre", 1893 erschienen", hat im Deutschen keine sechzig Seiten, aber die Kunst der "außerordentlichen Verdichtung", wie James es selbst nannte, kann man hier ausgezeichnet studieren, so Müller, der die Neuübertragung von Walter Kappacher "makellos" findet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015
Diese 1893 erschienene, schmale Erzählung des damals 50-jährigen Autors über die "mittleren Jahre" des Schriftstellers Dencombe enthält für den Rezensenten Mirko Bonné eigentlich alles, was den Autor James auszeichnet: ein ungeheures Gespür für feinste Seelenregungen, eine "kompromisslos eigenwillige Sicht" auf den Menschen und einen raffinierten Satzbau, der Handlung und Psychologie gleichermaßen dient. Besonders empfehlenswert ist die Erzählung aber auch, weil Walter Kappacher als Übersetzer ein wahrer "Glücksfall" ist, lobt Bonné.
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