Die Filmbiografie ist eines der ältesten und vielschichtigsten Filmgenres überhaupt. Von Abel Gances Napoleon über die US-Biopics der Dreißigerjahre bis zu Oliver Stones umstrittenen Präsidentenfilmen JFK und Nixon reicht der Fächer der bekannten Beispiele dieser Filmgattung, die immer wieder zu leidenschaftlichen Kontroversen über Geschichte und ihre Darstellung im Kino Anlass gab. Mit "Rolle des Lebens" legt Henry McKean Taylor die erste umfassende Aufarbeitung des Genres aus theoretischer Sicht vor. Er behandelt die kulturhistorischen Hintergründe und gesellschaftlichen Implikationen der Filmbiografie und analysiert aus erzähltheoretischer Perspektive zahlreiche Beispiele, wobei er sich im Unterschied zu Studien aus dem angelsächsischen Raum nicht auf Filme des Hollywood-Kinos beschränkt, sondern auch europäische und sowjetische Werke berücksichtigt: Neue Deutsche Filme wie Jutta Brückners "Kolossale Liebe", Francesco Rosis "Mafia-Biografie", Lucky Luciano oder auch Sergej Paradshanows "Sajat Nowa".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2003
Eine regelrechte Forschungslücke sieht der Rezensent mit dem Kürzel "als" von diesem Buch geschlossen. Denn während die Biografie "innerhalb der Literaturwissenschaft in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren hat, sind im Bereich der Filmwissenschaft noch wenig Untersuchungen erschienen", die sich mit der Verfilmung von Biografien beschäftigen. Die Arbeit des Zürcher Filmwissenschaftler Henry M. Taylor sei dabei "von der strukturalen Erzähltheorie inspiriert". Er macht als Kriterium aus, dass die Filmbiografie ganz bestimmten "narrativen Strukturen" folgt - die sich trotzdem über die Jahre hin gewaltig verändert haben, von linearen, geschlossenen Erzählungen hin zu diskontinuierlicheren Erzählungen, so der Rezensent. Aus der Existenz dieser narrativen Codes schließe der Autor, dass eine Filmbiografie nicht durch "Referenz auf reale Personen allein" definiert sei. Die Behandlung der "Probleme der Narrativik" durch Taylor findet der Rezensent sehr gelungen, sowohl inhaltlich als auch im unakademischen Stil der Darstellung. Nur an manchen Stellen erscheint dem Rezensenten der Inhalt etwas "additiv". Da scheint die Serialität, die der Autor als weiteres Kriterium des Genres ausmacht, auf sein eigenes Schreiben abgestrahlt zu haben.
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