Felix Meiner Verlag, Hamburg 2026
ISBN
9783787351077 Kartoniert, 104 Seiten, 19,90
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen und mit einer Einleitung herausgegeben von Christian Schäfer. Herbert Butterfield hat mit seinen Thesen zur Geschichtstheorie bleibende Aufmerksamkeit erregt. Sein Essay "The Whig Interpretation of History" (1931) avancierte in der angelsächsischen Welt zu einem Klassiker und prägte die stehenden Begriffe "Whig history" und "Whiggism". Butterfield kritisiert die allgemeine Tendenz, historische Tatsachen nach dem Maßstab der Gegenwart zu interpretieren und mit entsprechenden moralischen Werturteilen zu bedenken. Die Standardform des erzählten Geschichtsverlaufs sei die des liberal eingestellten nordatlantischen Protestanten und seiner weltanschaulichen Überzeugungen. Geschichte werde stets nach einem seit Jahrhunderten etablierten und kaum jemals reflektierten kulturellen Apriori gelesen, das der Geschichtswissenschaft eine eigene disziplinäre Matrix verweigere und ihr stattdessen ein politisches Auffassungsparadigma unterschiebe. In seinem Essay untersucht Butterfield, fachwissenschaftlich fundiert, die Allerweltsweisheit, dass es die ideologischen Gewinner sind, die die Geschichte schreiben. Gerade das fachliche Fundament und das akademisch Anspruchsvolle seiner Thesen macht Butterfields Wortmeldung dabei besonders interessant. Der Band bietet die erste deutsche Übersetzung von Butterfields Kritik der Geschichtstheorie, die derzeit in der historiographischen Debatte wieder verstärkt diskutiert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.05.2026
Für Rezensent Michael Hesse ist der Aufsatz des britischen Historikers Herbert Butterfield von 1931 ein Korrektiv für heutige Historiker und andere Zeitgenossen, die versuchen, die Geschichte nach Maßstäben der Gegenwart zu deuten. Die Publikation des Textes, in dem Butterfield seine Kritik an solcherart unterstelltem Kontinuum zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart übt, erscheint Hesse relevant, auch wenn der Autor sein Theorem an der nicht mehr existenten britischen Whig-Partei illustriert, die Geschichte als Progression verstand. Butterfield befasst sich mit dem Wertproblem der Historie, der Rolle des Historikers und dem historischen Prozess und empfiehlt, den Blick auf die Unterschiede zwischen Vergangenem und Gegenwart zu richten, nicht auf die Ähnlichkeiten, erklärt Hesse.
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