Eine der ungewöhnlichsten Gestalten aus Hesses Freundeskreis ist der Psychoanalytiker Josef Bernhard Lang (1881-1945). Ohne diesen C.G. Jung nahestehenden Arzt wäre es dem Dichter wohl kaum geglückt, die tiefe Depression zu überwinden, in die ihn der Erste Weltkrieg gebracht hatte. Die Zäsur in Hesses Werk, die mit dem Demian einsetzte, sein Weg vom traditionsverbundenen Erzähler zum experimentierfreudigen Visionär künftiger Entwicklungen, nahm damals ihren Anfang. Durch J.B. Lang lernte Hesse das Weltbild der Gnostiker und deren Abraxas-Symbolik kennen, die lange vor Nietzsche das traditionelle Denken in Frage stellte. "Andre Leute mögen dies und jenes von Kunst verstehen", schrieb Hesse an Lang, "aber die dunkle und wilde Seite der Seele versteht niemand so gut wie du." Die sich schon bald zur Freundschaft entwickelnde Beziehung zeigt Lang als Hesses Agenten bei der Bewältigung seiner familiären Probleme, zugleich aber auch, wie sich die Rolle von Arzt und Patient allmählich umkehrte. Von Schicksalsschlägen getroffen war Lang schließlich selbst auf Hesses Hilfe angewiesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2006
Nur mit einem Trick ist es Eberhard Rathgeb gelungen, diesen Briefwechsel überhaupt zu Ende zu lesen. So langweilig erscheinen ihm die Leiden des Herrn Lang, so wenig findet er darin über Hesses Existenzprobleme. Der Annäherungsversuch der beiden Schreibenden, des Dichters und des Psychoanalytikers, sagt Rathgeb gerade soviel, um ihn folgern zu lassen: Die Grenzen waren unüberwindlich. Und der Trick? Wenn wir Rathgeb richtig verstehen, besteht er darin, die verhandelten Probleme als unzeitgemäß einfach zu ignorieren. Dann lässt sich das Buch lesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.07.2006
Oliver Pfohlmann preist diesen Band, der erst kürzlich aufgefundene Briefe zwischen Hermann Hesse und seinem Psychoanalytiker und Freund Josef Bernhard Lang präsentiert als berührendes menschliches Dokument und als Zeugnis einer tiefen Freundschaft. Nicht nur für die Hesse-Biografen sei die Korrespondenz von Interesse, auch das wechselvolle Schicksal des Psychoanalytikers Lang werde hier eindrucksvoll nachgezeichnet, lobt der Rezensent. In seiner Besprechung geht er näher auf die Beziehung der beiden Männer ein und zeigt sich vor allem vom "tragischen Schicksal" des Psychoanalytikers bewegt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2006
Eine "herausragende Bedeutung als biografisches Dokument" bescheinigt Rezensent Ludger Lütkehaus diesem lange verschollenen Briefwechsel zwischen Herrmann Hesse und seinem Freund und Psychoanalytiker, Josef Bernhard Lang. Ziemlich ungeschützt und ungeschönt haben die beiden Männer darin, Lütkehaus zufolge, die "dunkle wilde Seite ihrer Seele" preisgegeben und besonders Hesse stelle sich als Alkoholiker, in seiner "donjuanesken sexuellen Obssessivität" und immer wieder von "suizidalen Impulsen" getrieben dar. Aber so sehr der Rezensent Hesse auch im Zentrum des Leserinteresses stehen sieht: auch Lang berührt ihn durch die "Offenheit seiner Selbstbezichtigung" und die "Heillosigkeit eines Lebens", in dem das meiste misslingt, als Analytiker, der selber hilfebedürftig ist. Herausgeber Thomas Feitknecht wird besonders für seine kenntnisreiche Kommentierung des Briefwechsels gelobt.
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