Hermann Schulz

Zurück nach Kilimatinde

(Ab 14 Jahre)
Cover: Zurück nach Kilimatinde
Carlsen Verlag, Hamburg 2003
ISBN 9783551581174
Gebunden, 236 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Nick bekommt von einem Jugendfreund seines Vaters den Auftrag, den Vater in Afrika zu besuchen und bei ihm nach dem Rechten zu sehen. Fast sechzehn Jahre lang hat Nick nichts mehr von ihm gehört. Er macht sich auf den Weg in die eigene Vergangenheit, in ein Land, das er nur aus seiner Kindheit kennt. Und er findet in Tansania seinen Vater als gebrochenen Mann, den fast alle Welt verlassen hat. Fünf Nächte lang redet und streitet Nick mit diesem Mann, der von einem Krebsleiden gezeichnet am Rande des Lebens steht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.07.2004

Nach Meinung des Rezensenten Horst Künnemann ist dies nicht nur ein sehr gelungenes, komplexes Jugendbuch, sondern ein "herausragender Titel in der Belletristik". Es geht um die späte und konfliktreiche Annäherung zwischen Vater und Sohn. Der Vater ist ein in Afrika gescheiterter Missionar, der dort - entfremdet von seiner Familie - auf seinen Tod wartet, sein Sohn ein junger Reporter. Das Buch lässt am Ende, an dem der plötzliche Tod des Vaters steht, etliche Fragen zu dessen Schicksal offen - also nicht unbedingt ein versöhnliches, aber doch eine realistisches Ende: "Auch in seiner jüngsten Arbeit bestechen die genaue Skizzierung der Charaktere, die nicht unbedingt als Sympathieträger angelegt sind, ein kontrastreiches Umfeld und eine dramatische Zuspitzung des Kernproblems.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.11.2003

Nicks Vater ist ein - mittlerweile schwer depressiver - Missionar in Afrika, Nick aber schon seit vielen Jahren in Deutschland, erklärt der Rezensent Jürgen Stahlberg. Als Nick eines Tages erfährt, dass sein Vater nach ihm verlangt, zögert er lange, weil er wütend auf ihn ist, fährt dann aber doch. Wie Hermann Schulz die "hochdramatische, hilflose und provozierende" Begegnung zwischen Vater und Sohn und deren Sprachlosigkeit beschreibt, ist "große Literatur", lobt Stahlberg. In der "sehr männlichen Welt", in der sich beide bewegen, spielen Frauen nur am Rande eine Rolle, auf scheinbar stereotype Weise - verführerisch, rettend oder zänkisch - doch klingt es bei Schulz nie "dürftig" oder "platt", wie der Rezensent bemerkt. Schulz' wahre Distanz in der Erzählung lasse gleichzeitig Sympathie für den "vitalen Lebensentwurf des Vaters" durchscheinen. Seine Geschichte ist "wunderlich", so Stahlberg, aber "wunderbar", und Schulz selbst "eine der großen Hoffnungen deutschsprachiger Jugendliteratur".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.09.2003

Reinhard Osterroth ist angetan: Der seit 25 Jahren in Tanzania lebende Missionar Heinrich Gotthold Geldermann, ein "Hemingway mit Bibel und Gesangbuch" lebt auch in Hermann Schulz' neuem Roman fort. Doch diesmal sei er krank und niedergeschlagen und nicht mehr ganz der "stolze Hüne vom Niederrhein", den die Leute von Kilimatinde nehmen und lieben gelernt haben. Von einer dunklen Vorahnung eines deutschen Freundes des Missionars getrieben, mache sich der Sohn Geldermanns in dem neuen Jugendbuch Schulzes auf den Weg zu seinem Vater. Es beginne also alles in Deutschland und ende in den nächtlichen Gesprächen dieses Duos mit der unweigerlichen Annäherung an diesen "sperrigen Unbekannten", den Vater. In seiner "miefigen Missionars-Hütte" erzähle der dem Sohn dann "wie aus Strudeln" seine Geschichte über sein Leben in Afrika, schreibt der Rezensent fasziniert. Osterroth ist von der "Intensität und dem Tempo" dieser "ruhig erzählten" Geschichte begeistert und resümiert, dass "Afrika voller Geschichten" stecke. Und der Autor ebenso.
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