Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Dieter Sudhoff. Illustriert von Anton Räderscheid.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2002
Der Igel-Verlag, informiert uns Alexander Bartl, plant in diesem Jahr eine dreibändige Werkausgabe des deutschsprachigen Schriftstellers Hermann Ungar aus Prag, der ein Kollege und Zeitgenosse Kafkas war, aber heute nahezu vergessen ist. Band 1 und 2 sind soeben erschienen, der dritte soll im Herbst 2002 folgen. Die Erzählungen im zweiten Band umfassen für Bartl bereits die gesamte Themenpalette, die Ungar in seinem späteren Hauptwerk aufgreifen wird. Schonungslos folge der Prager Autor den Irr- und Abwegen seiner Protagonisten, die oftmals aus sozial niedrigen Verhältnissen stammen und denen ihre Herkunft zum Verhängnis wird, wie Bartl berichtet. Zugleich beleuchtet Ungar die Doppelmoral oder Kehrseite der schmucken Fassade des Bürgertums, stellt er fest. Die Seelen von Ungars Figuren liegen wund und bloß, so Bartl. Teilweise sei die Beschreibung ziemlich unerträglich, gibt der Rezensent zu, dennoch werde spürbar, dass Ungar sie nie "aus Lust, sondern aus Mitleid" seziere.
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