Aus dem Japanischen von Nora Bartels. Der 49-jährige Sochiro Kaji genießt als vorbildlicher Polizist einen tadellosen Ruf - bis er sich eines Tages vor seine Kollegen stellt und berichtet, seine Frau getötet zu haben. Im anschließenden Verhör gibt er an, dass seine Frau an Alzheimer erkrankt war und ihn gebeten habe, ihr Leben zu beenden. Der Fall scheint aufgeklärt, doch Kriminalkommissar Kazumasa Shiki findet keine Ruhe. Als er auf eigene Faust weiterermittelt, stößt er in der Wohnung von Sochiro auf eine geheimnisvolle Kalligrafie mit dem Text: "50 Jahre - ein Leben". In Shiki keimt der Verdacht, dass Sochiro sich mit fünfzig das Leben nehmen wollte. Shiki beschließt, das Rätsel um jeden Preis zu lösen - und taucht immer tiefer ein in die dunkle Geschichte eines Ehepaares, für das der Tod keine Sache des Zufalls war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.01.2021
Dies ist ein Roman, der die Gattungsgrenzen des Krimis auf faszinierende Weise sprengt, erzählt die begeisterte Rezensentin Sylvia Staude. Im Grunde sind hier nur einige Elemente einer Krimierzählung aufgeboten, um eine Reflexion über den japanischen Ehrenkodex, das Verhältnis von Polizei-Kollegen und ein bestimmtes Milieu zu ermöglichen, erfahren wir. Von innen heraus erschließe sich so ein "bestechend fremdartiges" soziales Panorama, versichert die Rezensentin. Spannung entsteht für Staude trotz der eher psychologischen Webart des Romans dennoch, nämlich durch die Frage, ob es den Kollegen gelingt, den in Japan so wichtigen Schein aufrecht zu erhalten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.07.2020
Rezensent Kolja Mensing sieht in Yokoyamas Buch "50", Vorgänger seines Bestsellers "64", einen "ausgesprochen japanischen Kriminalroman". Denn in der "ruhig" erzählten Geschichte um den Polizisten Soichiro Kaji, der seine alzheimerkranke Frau auf ihren Wunsch hin erwürgt hat und sich selbst stellt - bemerkenswerterweise aber erst 3 Tage nach der Tat - entwickelt sich Spannung nicht durch Figurenpsychologie, sondern durch starre institutionelle oder moralische Strukturen, meint der Rezensent. So ist auch das "eigentliche Vergehen" Kajis, das im Romanverlauf aufgedeckt werden soll, letztlich ein Ausbruch aus dem System, deutet Mensing an.
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