Von Tobias G. Eule, Lisa Marie Borrelli, Annika Lindberg und Anna Wyss. Hinter der Grenze, vor dem Gesetz ist ein rechtssoziologischer Beitrag zur Debatte um Migrationssteuerung und Zugehörigkeit. Die Studie beschreibt den Umgang mit und die Kontrolle von "unerwünschter" Zuwanderung, aber auch wie das Aufenthaltsrecht angewandt, ignoriert, umgedeutet und idealisiert wird, und wie Recht und Rechtsanwendung Handlungsspielräume von Migrant*innen gleichermaßen ermöglichen und begrenzen. Verantwortlichkeit lässt sich dabei im dichten Regime von Kontrollinstanzen häufig nur schwer verorten. Die Autor*innen beleuchten die Perspektiven von staatlichen Akteuren, NGOs, Menschen mit prekärem Rechtsstatus und verschiedenen Institutionen in acht europäischen Nationen und kommen zu dem wichtigen Ergebnis, dass alle involvierten Akteur*innen immer wieder in kafkaesken Zeitschlaufen gefangen sind und Formalität und Informalität auch in Westeuropa keine Gegenpole sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2020
Rezensent Claus Leggewie wünscht sich mehr soziologische Aufklärung in Sachen Migration. Der von Tobias G. Eule, Lisa Marie Borrelli, Annika Lindberg und Anna Wyss besorgte Band geht für ihn in die richtige Richtung, indem die Autoren den Alltag der Migration genau unter die Lupe nehmen, die Lage auf den Arbeitsmärkten, in den Religionsgemeinschaften und in der Populärkultur, wie Leggewie schreibt. Vorbildlich findet er die Analysen im Band zum Migrationsrecht, die ihn in die "kafkaesken" Einzelheiten von Aushandlungsprozessen und zu Amtsträgern führen, die ihm wie Kafkas Türhüter erscheinen.
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