Aus dem Englischen von Ursel Schäfer. Weltweit sind gegenwärtig mehr als 65 Millionen Menschen vertrieben worden oder geflohen - vor Krieg, politischer Instabilität, Naturkatastrophen. Nicht ohne Grund ist die Bewältigung der sogenannten Flüchtlings- und Migrationskrise zu einer politischen Priorität geworden. Laut Jacqueline Bhabha ist das globale Phänomen der Migrationsbewegungen jedoch keineswegs historisch einmalig und die Bezeichnung "Krise" weder zutreffend noch politisch zielführend. Bhabha fordert vom globalen Norden, die kollektive Verantwortung für Vertriebene und Geflüchtete anzunehmen, sie mit koordinierten Maßnahmen, die humanitären und Naturkatastrophen vorbeugen helfen, angemessener unterzubringen und systematisch die globale Ungleichheit von Einkommens-, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu bekämpfen. Eine Reform der internationalen Flüchtlings- und Migrationspolitik ist nicht zuletzt eine Frage des gerechten Umgangs mit den Bedürfnissen kommender Generationen.
Rezensent Rudolf Walther bekommt mit dem Buch von Jacqueline Bhabha Lektüre für den Stammtisch. Wie die Autorin Migration als Normalfall schildert und als Chance betrachtet, Verantwortung zu übernehmen, findet er lesenswert. Die Lehren, die Bhabha aus der Migrationsgeschichte zieht (nämlich dass sie uns zu moralischem Verhalten verpflichtet), scheinen Walther im krassen Gegensatz zu stehen zur politischen Praxis, die die Autorin geißelt und der sie ethische Mindeststandards entgegensetzt, Bildungs- und Arbeitschancen und die Bekämpfung von Fluchtursachen.
Rezensent Rudolf Walther nennt Jacqueline Bhabhas Essay ein gediegenes Büchlein gegen die Stammtischhoheit. Was die amerikanische Anwältin zum Thema Migration zu sagen hat, findet Walther wichtig und anregend. Migration verstanden nicht als Krise, sondern als Normalfall und Chance, Verantwortung zu übernehmen, leuchtet Walther unmittelbar ein, wenn die Autorin politisch-moralische Lehren aus der Geschichte der modernen Migration zieht und Flüchtlinge als "Opfer eines Systems der radikalen globalen Ungleichheit" (Bhabha) erkennt. Bhabhas Vorschlag eines ethischen Mindeststandards mit Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Migranten kann Walther nur zustimmen.
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