Hans Kelsen (1881-1973) gilt vielen als 'der' Jurist des 20. Jahrhunderts. Sein Ruhm gründet sich auf seine ebenso oft gepriesene wie missverstandene "Reine Rechtslehre", die 1934 in erster, 1960 in zweiter, deutlich erweiterter Auflage erschienen ist und sein rechtstheoretisches Lebenswerk darstellt. Aber Kelsen war mehr als ein Jurist. Er war ein eminenter Demokratietheoretiker, der in den bewegten Jahren der Weimarer Republik zu den wenigen aufrechten Demokraten unter den Staatsrechtslehrern zählte und mit seiner so klaren wie prägnanten Studie "Wesen und Wert der Demokratie" eine der wichtigsten Schriften zur Demokratiebegründung überhaupt vorgelegt hat. Und nicht zuletzt war er Architekt der österreichischen Bundesverfassung von 1920, ein bedeutender Völkerrechtler und Verfasser einer imposanten Reihe ideologiekritischer Schriften.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2023
Auf so "kundige wie elegante" Weise wird Rezensent Christian Neumeier in diesem Band das Leben und Werk des berühmten Rechtswissenschaftlers Hans Kelsen nähergebracht. Der emeritierte Jurist und Rechtsphilosoph Horst Dreier erläutert hier die wichtigsten Schriften Kelsers, die sich mit grundlegenden Fragen zur Entstehung von Rechtsnormen auseinandersetzen, informiert der Kritiker. Dreier führt systematisch in Kelsers Theorien ein, der zum Kreis der österreichischen Rechtspositivisten gehörte, aber, betont Neumeier, keiner ihrer typischen Vertreter war. Das Buch leistet einen "souveränen Überblick" des aktuellen Forschungsstandes, so der Rezensent, der sich lediglich eine größere Auseinandersetzung mit Rechtsanalytikern wie H.L.A. Hart gewünscht hätte. Eindringlich schildert Dreier auch die Diskriminierungen und Schwierigkeiten, denen Kelsen im Dritten Reich und auch in der jungen Bundesrepublik ausgesetzt war, schreibt der überzeugte Kritiker.
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