Horst Grabert war als Kanzleramtschef und enger Vertrauter Willy Brandts Mitgestalter einer prinzipiell gewandelten deutschen Politik. Später setzte er bis zu seiner Pensionierung die Entspannungspolitik als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, Jugoslawien und Irland auf internationaler Ebene um. Seine Autobiografie ist der Bericht eines an einem bewegten Dreivierteljahrhundert deutscher Geschichte unmittelbar Beteiligten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2004
Mit diesem Buch hat sich der Autor keinen Gefallen getan, behauptet Rezensent Gregor Schöllgen und erinnert daran, dass Horst Grabert als Chef des Bundeskanzleramts in der zweiten Amtsperiode Willy Brandts eher eine "Verlegenheitslösung" war. Die Ahnung, die Person des Berliner Politikers verkörpere eher Mittelmaß, findet er durch Graberts Memoiren bestätigt. Der Leser dürfe ohnehin keine politischen Memoiren erwarten, warnt der Rezensent und mokiert sich über die munter ausgeplauderten, privaten Erlebnisse des Brandt-Mitarbeiters (wie die Bahnreisen des Meerschweinchens der Tochter), der nach Brandts Abdankung auf verschiedene diplomatische Posten in Belgrad oder Irland abgeschoben wurde, ohne dort, wie Schöllgen böse hinzusetzt, nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Die Zeit im Kanzleramt werde auf gerade mal 15 Seiten abgehandelt, meldet der enttäuschte Rezensent. Ihn stören außerdem historische Ungenauigkeiten, wie die Verwechselung des Mazedonien-Einsatzes der Bundeswehr mit dem in Afghanistan, und auch ein insgesamt eher "schlichte Geschichtsbild" stößt Schöllgen auf.
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