Mit einem Nachwort von Martin Mosebach. "Das zerbrochene Haus" ist Horst Krügers Bilanz seiner Jugend in Berlin im nationalsozialistischen Deutschland, ein Bekenntnis und eine scharfsichtige Analyse des verführten deutschen Kleinbürgertums. Horst Krüger, der sich selbst als "typischen Sohn jener harmlosen Deutschen, die niemals Nazis waren und ohne die die Nazis ihr Werk nie hätten tun können", charakterisiert, zieht Bilanz, weil er wissen möchte, "wie das damals war unter Hitler". Das Buch wird zum 100. Geburtstag Horst Krügers wieder aufgelegt, versehen mit einem Nachwort von Martin Mosebach, der dem Autor eng verbunden war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.09.2019
Rezensent Claus-Jürgen Göpfert ist hoch beglückt, dass Schöffling eines der wichtigsten Bücher von Horst Krüger zu dessen hundertstem Geburtstag wieder auflegt - Krügers Jugenderinnerungen an den Krieg von 1966. Göpfert kennt den Autor als großen Chronisten und Meister der kleinen Form, zu begutachten auch in diesem Buch, das Göpfert sowohl literarisch als auch politisch von Bedeutung scheint. Wie der Autor darin seine Jugend im nationalsozialistischen Berlin schildert, das Gift der Nazi-Ideologie, seine Haft wegen Unangepasstheit und Sympathisieren mit den Nationalbolschewisten, die letzten Kriegstage und schließlich den Auschwitz-Prozess, dem er als junger Journalist beiwohnte, findet der Rezensent weiterhin sehr lesenswert.
Sehr begeistert ist Rezensent Adam Soboczynski über die 1966 erstmals erschienenen Erinnerungen von Horst Krüger. Wie der Autor das Milieu seiner Kindheit im kleinbürgerlichen Bezirk von Eichkamp im Norden Berlins beschreibt, wie er unaufwendig sein Reinschliddern in den Widerstand darstellt, der wegen Kurierdiensten und Flugblätter-Verteilen zur Gestapohaft führte, wie er später als Zeuge - inzwischen Fallschirmspringer in Frankreich - gegen die früheren Freunde aussagen musste, und wie Krüger schließlich nach einem Studium bei Heidegger über die Auschwitz-Prozesse berichtet hat - alle diese nüchtern-erschreckend erzählten Begebenheiten haben Soboczynski schwer beeindruckt. Verantwortlich dafür ist ein gewisser melancholischer Ton, der sich aus dem Wissen von der "Begrenztheit der Optionen" speist, wie sie das Hineingeboren werden in gewisse Milieus an sich habe. Auch Krügers spätere Texte seien davon geprägt, und Soboczynski staunt, dass sie fast allesamt vergriffen sind. Er hofft auch für sie auf eine Wiederauflage.
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