Aus dem Franzöischen von Heinz Jatho. Was zeigt uns Piero della Francescas Madonna del parto, wenn sie ihr blau-wallendes Kleid über dem Bauch mit grazilen Fingern zu einem langen Schlitz öffnet? Diese Frage mag der Ausgangspunkt von Hubert Damischs Studie gewesen sein, in der er uns einen zugleich kunsthistorischen, psychoanalytischen und anthropologischen Zugang zum Werk des berühmten Renaissance-Malers und Kunsttheoretikers eröffnet. In Hommage und impliziter Abkehr zu Freuds legendärem Aufsatz "Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci" will Damisch nicht den "Menschen Piero" analysieren, sondern vielmehr ein Kunstwerk verstehen, das wie eine Kindheitserinnerung aufgebaut ist und die wohl älteste Frage der Menschheit in Szene setzt: Woher kommen wir? Und vor allem: Woher kommen die Kinder?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2015
Endlich kann Hubert Damischs bereits 1997 erschienene "Kindheitserinnerung von Piero della Francesca" auch auf Deutsch gelesen werden, freut sich Rezensent Ralph Ubl. Denn dieser Essay, in dessen Zentrum Francescas Fresko "Madonna del Parto" steht, besticht nicht nur durch Kunstfertigkeit, sondern auch durch die Ironie, mit der der Kunsttheoretiker Damisch sich Werk und Nachleben widmet, verkündet der Kritiker zufrieden. Als Hommage an Freud und doch auch als gelungene "Parodie" der angewandten Psychoanalyse liest Ubl diese exzellente Untersuchung, die ihm nicht nur humorvoll, sondern auch in Damischs ganz eigenem Erzählton Fehlleistungen der Rezeptionsgeschichte der "Madonna del Parto" vor Augen führt.
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