Priesterinnen, fehlbare Päpste, verbotene Bücher: Was die vatikanischen Archive über die Kirche verraten 85 Kilometer Akten aus über tausend Jahren: Die Vatikanischen Archive sind die größten und ältesten der Welt. Vieles ist unzugänglich. Niemand darf frei herumstöbern. Hubert Wolf zeigt in seinem Buch, wie man hier mit detektivischem Spürsinn Entdeckungen machen kann, die hinter die Kulissen von Tradition und Unfehlbarkeit blicken lassen. Von der rätselhaften Haltung des Papstes zum Holocaust über vergessene mächtige Frauen bis zu verborgenen Missbrauchsskandalen lässt er uns an Tiefenbohrungen in den Archiven teilhaben, die unser Bild von der Kirche nachhaltig verändern. Hubert Wolf ist mit Aufsehen erregenden Funden und Forschungen in den Vatikanischen Archiven international bekannt geworden. Er hat verstörende Skandale aufgedeckt - etwa Missbrauch und Mord im römischen Nonnenkloster Sant`Ambrogio - und die Hintergründe folgenreicher Entscheidungen erhellt, etwa zu Bücherverboten und Inquisitionsverfahren, zum Zölibat und zum Unfehlbarkeitsdogma und nicht zuletzt zur Haltung des Vatikan zu Nationalsozialismus und Holocaust. Warum hat der Papst geschwiegen? Hat er das überhaupt? Was wusste er? Die jüngste Freigabe der Akten aus dem Pontifikat Pius' XII. gibt Aufschluss: Hubert Wolf hat Tausende anrührende Bittbriefe von Juden an den Papst gefunden, deren Weg durch die vatikanischen Instanzen ermessen lässt, welche Informationen aus erster Hand in Rom landeten und wie man darauf reagierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2024
Der Historiker Hubert Wolf lässt sich bei seiner "historischen Detektivarbeit" in den verschiedenen Archiven des Vatikans über die Schulter schauen, staunt Rezensent Simon Unger-Alvi. Mit Akribie und Neugier gräbt Wolf bisher verborgene Dokumente zu heiklen Themen aus, darunter die Rolle des Vatikans im Zweiten Weltkrieg und seine Positionen zu Menschenrechten im Laufe des letzten Jahrhunderts. Wolf schafft es dabei auch, lesen wir, komplexe Inhalte lebendig zu vermitteln und dabei historische Zusammenhänge zu beleuchten, die bis in die Gegenwart reichen. Beeindruckend findet der Kritiker, wie der Autor mit Klarheit und präzisem Detailwissen eine kritische Perspektive auf die Kirchengeschichte eröffnet, ohne ins Spekulative abzugleiten. Besonders die drei Kapitel über das Versagen der Kirche in Bezug auf die Judenverfolgung der Nationalsozialisten erweisen sich als aufschlussreich. Wolfs sorgfältige Quellenanalysen geben der Öffentlichkeit Einblicke in einen meist verschlossenen Teil der Kirchengeschichte und führen dem Kritiker zufolge eindrücklich vor Augen, welche Verantwortung die Kirche auch im 20. Jahrhundert trug und weiterhin trägt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.10.2024
Rezensent Thomas Groß warnt davor, im Buch des Theologen Hubert Wolf einen Thriller zu vermuten, auch wenn der Titel so klingt. Spannend ist, was Wolf durch akribisches Quellenstudium in den vatikanischen Archiven aufdeckt, allerdings allemal, räumt Groß ein. Es geht um Macht, Missbrauch und Männerbünde, und Groß muss bei der Lektüre mehr als einmal innehalten, etwa wenn der Autor lückenlos darlegt, wie grausam die katholische Kirche sich im Holocaust verhalten hat und wie scheinheilig angesichts von Missbrauch in ihren Reihen. Mit diskurstheoretischer Raffinesse gelingt dem Autor laut Groß allerdings auch die Volte hin zum Reformansatz. Bloß wie die Reform praktisch umzusetzen ist, darüber bleibt der Autor unklar, bedauert Groß.
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