Menuhin war viel mehr als ein Geiger und Dirigent, er war auch ein Humanist, der sich bis zuletzt politisch engagierte. Geboren 1916 in New York als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, trat er im Alter von acht Jahren erstmals als Solist auf und erlangte innerhalb von fünf Jahren Weltruhm. Er wurde zum bestbezahlten Künstler der Vorkriegszeit. Er setzte sich nach Kriegende für Wilhelm Furtwängler ein und trat im besiegten Deutschland auf, er protestierte gegen die Apartheid und gegen die Unterdrückung von Künstlern in der Sowjetunion. Humphrey Burton hat für seine Biographie zeitgenössische Quellen, unveröffentlichte Familiendokumente und viele Interviews ausgewertet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2002
Es gibt unzähliges Material über und von Menuhin selbst, weiß Harald Eggebrecht: eine Autobiografie, eine noch zu Lebzeiten autorisierte Biografie, Erinnerungen der zweiten Ehefrau, des Vaters. Zudem hat der Verfasser Menuhin persönlich gekannt, mit ihm eine Rundfunkreihe realisiert. Alles beste Voraussetzungen für eine kenntnisreiche neue definitive Biografie dieses charismatischen Musikers und Friedensbotschafters. Hat aber alles nichts geholfen, stellt Eggebrecht enttäuscht fest: Burton ist für ihn mit der Materialmasse nicht klar gekommen und hat auch nicht zu einem eigenen persönlichen Ton und Erzählfluss in der Lebensbeschreibung des musikalischen Wunderkindes gefunden. Menuhins musikalische Talente als Geiger und später als Dirigent wurden schon zu Lebzeiten mäßig, erzählt Eggebrecht, doch die Persönlichkeit des Musikers sei so beeindruckend gewesen, dass jeder Konzertbesuch trotzdem ein Ereignis gewesen sei. Von diesem Zauber, von dieser Kraft habe sich leider nichts in die neue Biografie hinübergerettet, bedauert er, gesteht jedoch zu, dass zumindest die Eckdaten und damit das biografische Gerüst des Buches stimmen.
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