Ian McGuire

Der Abstinent

Roman
Cover: Der Abstinent
dtv, München 2021
ISBN 9783423282727
Gebunden, 336 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jan Schönherr. Manchester, 1867. Im Morgengrauen hängen die Rebellen. Die englische Polizei wirft ihnen vor, die 'Fenians', irische Unabhängigkeitskämpfer, zu unterstützen. Eine gefährliche Machtgeste seines Vorgesetzten, findet Constable James O'Connor, der gerade aus Dublin nach Manchester versetzt wurde. Einst hieß es, er sei der klügste Mann der Stadt gewesen. Das war, bevor er seine Frau verlor, bevor er sich dem Whiskey hingab. Mittlerweile rührt er keinen Tropfen mehr an. Doch jetzt sinnen die 'Fenians' nach Rache. Der Kriegsveteran Stephen Doyle, amerikanischer Ire und vom Kämpfen besessen, heftet sich an O'Connors Fersen. Ein Kampf beginnt, der O'Connor tief hineinzieht in einen Strudel aus Verrat, Schuld und Gewalt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.05.2021

Ian McGuire stellt in seinem packenden wie anrührenden Roman existentielle Fragen, und zwar so, dass man als Leser oder Leserin nicht daran vorbei kommt, meint Rezensent Rainer Moritz. War, was geschah, unvermeidlich? Und wie kann der Einzelne der Spirale der Gewalt entkommen? Ihre Dringlichkeit gewinnen diese Fragen wohl vor allem durch die Unverbrämtheit, mit der McGuire den Zirkel aus Gewalt, Rache und Vergeltung beschreibt - ausgehend von einem realen historischen Ereignis: der öffentlichen Tötung dreier Mitglieder einer irischen Geheimorganisation im Jahr 1867. Der dadurch neu entbrannte Konflikt zwischen Iren und Engländern spitzt sich nach und nach zu und läuft auf ein Duell  hinaus zwischen dem alten Bürgerkriegsveteranen Doyle und einem irischen Polizisten mit schwerer Vergangenheit namens James O'Connor. Der Autor erzählt diesen historischen Konflikt auf sehr nahbare Weise und im Präsens, wodurch die Geschichte eine Unmittelbarkeit gewinnt - Leser und Leserinnen direkt in die finstere und beklemmende Romanwelt eingesogen werden. Am Ende steht ein "prachtvoll" erzählter Showdown mit anrührendem Ausgang, so Moritz, wobei das Ende der Lektüre noch lange nicht das Ende des Nachdenkens ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.05.2021

Rezensent Nicolas Freund vernimmt den Geruch von Schweiß, Sägemehl, Tabak und Toast im neuen Roman des Briten Ian McGuire, der ihn hier ins Manhattan des 19. Jahrhunderts führt. Erzählt wird die Geschichte der Fenians, Anhänger der irischen Unabhängigkeitsbewegung, die sich, nachdem drei ihrer Mitglieder gehängt wurden, einen so brutalen wie skrupellosen Kampf mit der örtlichen Polizei liefern, resümiert der Kritiker. Gegenüber stehen sich zwei versehrte Helden, der irische Kriegsveteran Stephen Doyle und der ebenfalls irische Ex-Alkoholiker und Polizist James O'Connor, fährt der Rezensent fort, der hier zwar Anklänge an Raymond Chandler entdeckt, aber keinen Krimi liest, wie er betont. Nicht zuletzt aber besticht dieses beinahe "stille" Buch durch die derart lebendige Beschreibung einer "archaischen Welt", dass der Kritiker immer wieder das Gefühl hat, sich beim Lesen den Ruß aus dem Gesicht wischen zu müssen.
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