Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann. Drei Jahrhunderte, ein mächtiges, friedliebendes Geschöpf und die Lebenswege der Menschen, die von ihm angezogen sind. Iida Turpeinen erzählt ausgehend von der ausgestorbenen Stellerschen Seekuh von obsessiven Sammlern und rastlosen Wissenschaftlern, von begeisterten Naturschützern und den Frauen, die an Naturerforschungen immer schon beteiligt waren. Es ist eine große Geschichte davon, wie wir Menschen vom unbedingten Begehren nach Erkenntnis angetrieben werden - und wie wir dafür die Zerstörung der Natur in Kauf nehmen. Ob auf Großer Nordischer Expedition in der Beringsee im 18. Jahrhundert, hundert Jahre später in der russisch-amerikanischen Kompanie in Nowo-Archangelsk in Alaska oder Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Vogelinseln vor Helsinki: Mit ihrer Erzählkunst lässt uns Turpeinen unsere Welt mit neuen Augen sehen und verstehen, wie alles mit allem verbunden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2024
Matthias Hannemann stimmt der Roman der Finnin lida Turpeinen ein bisschen nostalgisch. Dass die Stellersche Seekuh ausgestorben ist, kann er verwinden, indem er Turpeinens Buch liest, in dem die Seekuh nicht nur als Protagonistin wiederaufersteht, sondern gleich auch eine ganze Geschichte erzählt - von der Entdeckung des Beringmeers und tollkühnen Entdeckern und Naturkundlern. Hauptperson aber bleibt der acht Meter große Säuger, der wohl erstmals vor zwei Millionen Jahren in den Meeren auftauchte. Dessen Geschichte erzählt Turpeinen laut Hannemann im schnellen Präsens und mit starker Bildlichkeit, aber auch immer wieder mit Abschweifungen - zu Einzellern und Algen und restaurierten Skeletten in Museen. Auch wenn der Roman laut Hannemann nicht durchgängig ausgewogen erscheint, für den Rezensenten ist es ein freundlicher, tröstlicher Text über das Artensterben.
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