"Die Wissenschaftsgeschichte könnte ein prominenter Ort werden, an dem die strikte Trennung der Denk- und Forschungshorizonte in Geistes- und Naturwissenschaften aufgehoben wird", sagt Herausgeber Michael Hagner. Mit Beiträgen von Soraya de Chadarevian, Lorraine Daston, Peter Galison, Michael Hagner, Donna Haraway, Christoph Hoffmann, Lily E. Kay, Bruno Latour, Hans-Jörg Rheinberger, Simon Schaffer, Londa Schiebinger, Steven Shapin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.02.2002
Der Rezensent Tim B. Müller zeigt sich recht angetan, von dem von Michael Hagner herausgegebenen Reader "Ansichten der Wissenschaftsgeschichte", der eine ganze Reihe "solide, informative, mitunter innovative" Beiträge aus dem Umfeld des Berliner Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte versammelt. "Gespannt" folgt Müller den diversen "vergnüglich" geschriebenen Artikeln und freut sich besonders über "veritable Juwelen", die neben etwas "bodenständigeren Stücken" in diesem Band zu finden sind. Alles in allem eine runde Sache, befindet der Rezensent: "Wer zu diesem Band greift, kann nichts falsch machen. Er ist gutgeschrieben, breit gefächert, informativ und repräsentativ." Was Müller dem Werk bei allem Lob aber dann doch negativ ankreidet, ist sein "kurzes Gedächtnis". Gemeint ist die systematische Ausblendung einer Geschichte der Geistes- und Kulturwissenschaften. Für Müller umso unverständlicher, als die Wissenschaftsgeschichte ihrem Ursprung wie ihrer Methode nach eine geisteswissenschaftliche Disziplin ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2002
In einer Doppelbesprechung beschäftigt sich Michael Hampe mit zwei neuen Büchern zur Wissenschaftsgeschichte: "Wunder, Beweise und Tatsachen" von Lorraine Daston und dem von Michael Hagner herausgegebenen Sammelband "Ansichten der Wissenschaftsgeschichte". In letzterem hat der Rezensent alle namhaften "Koryphäen des Fachs" gefunden, wobei er besonders Bruno Latour für seine Staunen erregenden "Extravaganzen" und Hans-Jörg Rheinberger für seine "Genauigkeit" und seinen "theoretischen Einfallsreichtum" lobend hervorhebt. Der Sammelband führt dem Rezensenten vor allem vor Augen, dass Wissenschaftsgeschichte, die zur Zeit "im Trend" liege, durchaus mit gewichtigen Erkenntnissen aufwarten kann. Außerdem, so Hampe beeindruckt, wird die "Barriere" zwischen Wissenschaft und Kunst durch das "kulturwissenschaftliche Projekt" Wissenschaftsgeschichte aufgehoben.
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